Sonntag, 17. Juli 2011

Religion und Unglück


Püttmanns steile These

Andreas Püttmann ist wohl einer der engagiertesten Verteidiger des Glaubens. Sein Engagement geht sogar soweit, dass er mit dem Titel seines aktuellen Buchs "Gesellschaft ohne Gott" quasi eine deutsche Übersetzung von "Society without God" des Soziologen Phil Zuckerman verhindert. Aber es gilt auch hier in dubio pro reo. Vermutlich war die Buchtitelüberschreibung nur Zufall - zumindestens aber nicht beabsichtigt.

Jedenfalls trägt Publizist Püttman hin und wieder zum Online-Diskussionmagazin The European bei und tat dies zuletzt am 20.04.2011 mit einem fulminanten Werk unter der Überschrift "Religion und Glück - Die wohltemperierte Gesellschaft." In diesem lässt Püttmann wenig unversucht, die Schrecken einer gottlosen Gesellschaft heraufzubeschwören. Neben allerlei Standard-Schaumschlägereien in Richtung Atheismus ("Atheismus kann kein halt geben" - wie überraschend) konzentriert sich Püttmann vorallen auf Allensbach-Umfragen und aus diesen möchte ich mir eine herauspicken.
Auch, dass die 2008 in London gestartete atheistische Buskampagne menschliches Lebensglück an eine Abkehr von Gott koppelte, ist irreführend. „Bin sehr glücklich“ bekunden 45 Prozent der „gläubigen Kirchennahen“, aber nur jeweils 31 Prozent der „kirchlich distanzierten Christen“ und „Nichtreligiösen“ sowie 24 Prozent der „Glaubensunsicheren“. Trübe Aussichten auf eine Gesellschaft ohne Gott.
Quelle: theeuropean.de
Religion macht glücklich? Dann nehmen wir doch Herrn Püttmann beim Wort und schauen uns das Verhältnis von Glück und Religiösität in den Ländern Europas an. Sollte Püttman mit seiner implizierten These Recht haben, dann müsste man doch eigentlich folgendes erwarten: Je wichtiger Religion in einem Land ist, desto glücklicher sind die Menschen dort. Dank des Mysteriums Internet kann man sich nun selbst ein Bild von der Lage machen.

Gottesglaube und gesellschaftliches Glück

(Quellen [1] und [2]: siehe unten;
Länder nach ihrem internationalen Kfz-Kennzeichen)

In diesem Streudiagramm ist das mittlere, subjektive Lebensglück für 30 europäische Nationen gegenüber der Religiösität dieser Gesellschaften aufgetragen. Dabei geben die p-Werte an, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich die gefundenen Zusammenhänge rein zufällig ergeben hätten, wenn es keinen kausalen Zusammenhang gäbe (stark vereinfacht gesagt). Je kleiner also der p-Wert, desto unwahrscheinlicher ist es, das man es mit einem reinem Zufallsprodukt zu tun hat. Im allgemeinen wird ein p-Wert von 0,05 und kleiner als Mindestvoraussetzung für einen kausalen Zusammenhang betrachtet (statistische Signifikanz). Die eingetragenen Linien sind diejenigen, die am besten den Zusammenhang zwischen den beiden Größen (also Religiösität und Lebensglück) beschreiben. (Hinweis für die Experten: es wurde eine normale und eine robuste lineare Regression durchgeführt und im folgenden werde ich nur die Standardregression zur Interpretation der Daten herannehmen.)

Das Resultat spricht eine deutliche Sprache. Europäische Gesellschaften sind nicht glücklicher je religiöser sie sind. Damit ist Püttmanns These widerlegt. Die Graphik deutet vielmehr an, dass europäische Gesellschaften mit steigenden Gottesglauben unglücklicher werden. Der p-Wert ist mit 0,121 allerdings noch so hoch, dass man erstmal von einem Nullergebnis ausgehen muss.

Der Glaube an Gott hat keinen Einfluss auf das Glück einer Gesellschaft.

Von wegen "trübe Aussichten". Aber vielleicht reicht der pure Glaube an einen Gott ja noch nicht aus, um einen messbaren Einfluss auf das gesellschaftliche Glück zu bekommen. Religion - so die Verteidiger eben dieser - muss ja gelebt werden.

Bedeutung der Religion und gesellschaftliches Glück

(Quellen [1] und [3]: siehe unten;
Länder nach ihrem internationalen Kfz-Kennzeichen)

In diesem Streudiagramm ist das gesellschaftliche Glück in 30 europäischen Nationen diesesmal gegen die Bedeutungslosigkeit der Religion im Alltag aufgetragen (BG = Bulgarien versteckt sich übrigens unter der Legende, wurde aber in den Auswertungen beachtet). Mit einer statistischen Signifikanz von p=0,009 haben wir also folgendes Resultat:

Je weniger Bedeutung Religion im Alltag der Bevölkerung hat, desto größer ist das gesellschaftliche Glück.

Tolle Aussichten auf eine religionslose Gesellschaft. Ich möchte noch unterstreichen, dass ich hier erstmal keinen kausalen sondern nur einen korrelativen Zusammenhang etabliert habe.

Verwirrt?

Für Herrn Püttmann bliebe jetzt noch die Hypothese übrig, dass Religion in Deutschland glücklich macht. Was allerdings jetzt gerade an der deutschen Religiösität so speziell sein soll, kann ich nicht abschätzen. Vermutlich ist an Deutschland diesbezüglich gar nichts speziell und ich wette darauf, dass religiöse Menschen im Vergleich zu den nicht-religiösen innerhalb aller Gesellschaften glücklicher sind.

Doch wie kann es sein, dass auf der einen Seite religiöse Menschen in einer Gesellschaft glücklicher sind, aber religiöse Gesellschaften insgesamt unglücklicher?

Dieser scheinbare Widerspruch löst sich in Wohlgefallen auf, wenn man sich die Einflüsse auf das Lebensglück im Detail anguckt. Menschen sind soziale Tiere und als solche natürlich am glücklichsten, wenn sie in einer Gruppe (zB einer Religion) integriert sind. Die oben erwähnte Allensbach-Umfrage vergleicht aber auf der einen Seite Menschen, die sicher sozial integriert sind ("kirchennah"), mit Menschen, die eben nicht sicher integriert sind ("kirchenfern", "nicht-religiös" und "Glaubensunsicher"). Püttmann vergleicht hier also Äpfel auf der einen Seite mit Äpfel plus Birnen auf der anderen Seite und kommt zum - total überraschenden - Schluss, dass die Apfelkonzentration in der puren Apfelgruppe höher ist.

Fazit

Natürlich reicht eine rein korrelative Analyse nicht aus, um einen kausalen Zusammenhang zu zeigen. Man sollte aber trotzdem versuchen, die Daten mit einer vorläufigen Arbeitsthese zusammenfassend zu interpretieren. Und diese lautet hier:

Religion ist zwar ein Weg zum individuellen Lebensglück, hat aber auf das gesamtgesellschaftliche Lebensglück einen negativen Einfluss.



Quellen

[1] Lebensglück
"Alles zusammengenommen, wie glücklich sind sie auf einer Skala von 1-10?" (Original: "Taking all things together on a scale of one to 10, how happy would you say you are?"). Die Skala 1-10 wurde dann auf das Interval 0-10 projeziert.
R. Veenhoven, World Database of Happiness, collection Happiness in Nations, Overview of happiness surveys using Measure type: 112C / 10-step numeral Happiness (2007), viewed on 2011-07-14 at http://worlddatabaseofhappiness.eur.nl  [Deep Link]

[2] Gottesglaube
"Welche der folgenden Aussagen beschreibt Ihren Glauben am besten? 1) Ich glaube, dass es einen Gott gibt. 2) Ich glaube, dass es eine Art höhere Macht gibt. 3) Ich glaube nicht, dass es einen Gott oder eine höhere Macht gibt." (Original: "Which of these statements comes closest to your beliefs? 1) I believe there is a God. 2) I believe there is some sort of spirit or life force. 3) I don’ t believe there is any sort of spirit, God or life force.")

[3] Bedeutung der Religion
Spielt die Religion eine wichtige Rolle in Ihrem Leben? Die angegebenen Werte beziehen sich auf den Anteil der Nein Anworten.

Kommentare:

  1. Ich habe Püttmanns Buch, falls Du Infos daraus benötigst - er verweist ja in den Kommentaren unter seinem Artikel beim European darauf.

    Ich hatte mir das Buch gekauft, weil ich annahm, dass Püttman darin die besten Argumente gegen eine Säkularisierung der Gesellschaft ins Feld führen würde. Er pickt sich aber bloß die Dinge heraus, die ihm in den Kram passen.

    Typisch ist auch, dass er - wie beim European - als Maßstab ausgesprochen katholische Positionen anlegt:

    "Auch die Vorbehalte gegen Abtreibung, Euthanasie oder embryonale Stammzellforschung schmelzen mit zunehmender Kirchenferne wie Schnee unter der Sonne."

    Wenn das die Gefahren einer säkularen Gesellschaft sind, dann sehe ich ihr gelassen entgegen.

    Der erste Teil des Buches ist aber nett - darin beschreibt Püttmann, wie es mit der Kirchlichkeit in Deutschland bergab geht.

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  2. Ich komme ziemlich gut ohne religion klar....die Argumenten für Religion sind auch nicht so krass überzeugend...wie die vertreter der jeweiligen religion es behaupten...

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  3. Hi, interessanter Artikel! Hier einige Anmerkungen und Fragen zur Methodik der Datenanalyse. Warum hast Du Dich auf die Ergebnisse einer ols (ich nehme an Du meinst mit Standard eine ordinary least squares regression oder ein enfaches lineares Modell, d.h. einen lm-Call) konzentriert, obwohl BG wahrscheinlich einen Oulier darstellt und damit eine robust regression (rlm) besser geeignet sein könnte? Was sind die Effektstärken der Korrelationen? Vielleicht wäre es gut die modelldiagnistischen Grafiken zugänglich zu machen. Eventuell wäre es sinnvoll die verschiededenen Variablen zur Religiösität in einem einzelnen Faktor zusammenzulegen, der die Information mehrerer Variablen die alleReligiösität abbildet. Und noch was Allgemeines: Korrelation ist nicht Kausation - ist im odcast nicht so richtig rausgekommen. Wir wissen nicht in welcher Beziehung die Variablen stehen! LG Martin

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  4. Hallo Martin,

    die Korrelationskoeffizienten habe ich mir nicht angeguckt und zZ habe ich leider auch keinen Zugriff auf die Daten. Die müsste ich Dir nachliefern. In der interpretierenden Analyse habe ich mich auf OLS beschränkt, um die hinter den Resultaten liegende Statistik nicht allzu exotisch erscheinen zu lassen. In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung würde ich natürlich anders argumentieren. Und hier noch eine dumme Frage: Was sind modelldiagnostische Grafiken? :) (Ich bin übrigens kein Experte, was Statistik anbelangt, weii aber genug, um solch einfache Analysen durchzuführen.)

    Bzgl der Richtung der Beziehung, denke ich, dass man 2 verschiedene Erklärungen diskutieren kann:

    1) Religion wird von unglücklichen Nationen als eine Bewältigungsstrategie benutzt (sprich: Unglück führt zur erhöhten Religiösität)
    2) Eine erhöhte Religiösität verringert das Glück in einer Nation.

    Meines Erachtens dürfte beide Erklärungen wahr sein. Die These, dass Menschen gerade in unglücklichen Situationen dazu neigen, sich der Religion zu zuwenden, bedarf wohl keiner weiteren Verteidigung. Ebenso denke ich, dass es selbstevident ist, dass Religion (oder genauer: die Glaubensinhalte) dem Glück einer Gesellschaft abträglich ist, wenn man sich mal die Einstellung zu Homosexualität, zu Abtreibung oder zur PID vergegenwärtigt.

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  5. Die Frage ist längst geklärt, Unglück ist ein göttliches Geschenk

    Kardinal Meisner als absoluter Champion sinnfreier Sprüche aus der Phantasie-Galaxie Christentum definiert 2011 Leid und Elend als göttliches Geschenk den Glauben an Gott zu festigen und zu erhalten: „Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt“.

    Der Text ist so pervers wie der Slogan „Arbeit macht frei“ am KZ-Tor von Auschwitz oder seine Kriegsverherrlichung in der Frankfurter Rundschau von 1996: "Ein Volk könne nur beruhigt sein, wenn es wisse, dass die Waffen zur Verteidigung und Erhaltung des Friedens in Händen seien, deren Köpfe und Herzen um ihre Verantwortung vor Gott und der Welt wissen... In betenden Händen' sei die Waffe vor Missbrauch sicher,"

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  6. Hallo verquer,
    eine ols zu berichten ist problematisch, weil die rlm im ersten Fall einen sig. Zusammenhang nahelegt, die ols aber nicht. Modelldiagnostische Grafiken geben Auskunft darüber, ob die Daten gegen Modellbedingungen verstoßen. Bei vielen Verfahren kann man erst im Nachhinein testen, ob man das Verfahren, welches man benutzt hat, überhaupt nehmen durfte. Da ich aufgrund der Grafiken davon ausgehe, dass Du die Statz mit R gerechnet hast, hier ein Link mit R-Calls für modelldiagnistische Grafiken und Tests: http://www.statmethods.net/stats/rdiagnostics.html
    Zu den Zusammenhängen: Es gibt noch mindestens eine weitere Erklärung:Hallo verquer,
    eine ols zu berichten ist problematisch, weil die rlm einen sig. Zusammenhang nahelegt. Modelldiagnostische Grafiken geben Auskunft darüber, ob die Daten gegen Modellbedingungen verstoßen. Bei vielen Verfahren kann man erst im Nachhinein testen, ob man das Verfahren, welches man benutzt hat, überhaupt nehmen durfte. Da ich aufgrund der Grafiken davon ausgehe, dass Du die Statz mit R gerechnet hast, hier ein Link mit R-Calls für modelldiagnistische Grafiken und Tests: http://www.statmethods.net/stats/rdiagnostics.html
    Zu den Zusammenhängen: Es gibt noch mindestens eine weitere Erklärung: Der Zusammenhang wird durch eine unbekannte Drittvariable hervorgerufen - Du weißt schon - Störche und Babies...;-). In diesem Fall ist "Wohlstand" ein sehr wahrscheinlicher Kandidat - wenn Du Wohlstand mit in dein Modell aufnehmen würdest, könnte es sein, dass Religiosität an Signifikanz verliert. (Das würde allerdings trotzdem belegen, dass Püttmann Blech redet!)
    LG Martin
    p.s.: IQ länderübergreifend zu messen ist sehr problematisch - vielleicht könnte man andere Variablen als Annäherung hernehmen. Der Zusammenhang wird durch eine unbekannte Drittvariable hervorgerufen - Du weißt schon - Störche und Babies...;-). In diesem Fall ist "Wohlstand" ein sehr wahrscheinlicher Kandidat - wenn Du Wohlstand mit in dein Modell aufnehmen würdest, könnte es sein, dass Religiosität an Signifikanz verliert. (Das würde allerdings trotzdem belegen, dass Püttmann Blech redet!)
    LG Martin
    p.s.: IQ länderübergreifend zu messen ist sehr problematisch - vielleicht könnte man andere Variablen als Annäherung hernehmen.

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  7. @emporda

    Ich halte statische Analysen für sehr viel gehaltvoller als die Selbstauskunft kirchlicher Vertreter. Aber danke für das Zitat von Meisner.

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  8. @Martin

    Deine Kommentare hat es erstmal in den Spamordner verschlagen. Deswegen sehen diese nun so merkwürdig aus. Blogspot bietet leider nicht die Möglichkeit die Kommentare nachträglich zu editieren. Sorry also von meiner Stelle.

    Im Falle des Gottesglauben reicht es meines Erachtens schon aus zu belegen, dass es keinen posiviten Zusammenhang zwischen Religion und gesellschaftlichem Glück gibt, um Püttmanns These zu widerlegen. Das nun die Signifikanz des negativen Trends einmal über und einmal unter der magischen 5% Hürde liegt, ist da eher nebensächlich.

    Die Grafiken habe ich nicht mit R erstellt. Das Packet war mir bis dato unbekannt. Besten Dank für den Tipp. Aber wie gesagt: Es geht mir nicht um eine detailiert wissenschaftliche Ursachenanalyse des Phänomens "Religion." Es reicht mir zu zeigen, dass das Gegenteil von Püttmanns These wahr ist.

    Aber da es Dich zu interessieren scheint: Nicht das Einkommen selbst, sondern die Einkommensschere zwischen Arm und Reich in einer Nation ist der bessere Prädiktor für die Religiösität einer Gesellschaft. Es gibt hier sogar Anhaltspunkte dafür, dass Religion darauf hinwirkt diese Schere zu erhalten oder sogar zu vergroessern (siehe die christlich konservative Teaparty in den USA).

    Fazit: Meiner vorläufigen Meinung nach, hat man es hier mit einem Mischmasch an Ursachen/Wirkungsbeziehungen zu tun. Religion erhöht gesellschaftliches Unglück, Unglück erhöht Religion, Einkommensungleicheit erhöht Religion, Religion erhöht Einkommensungleichheit und senkt damit das Glück. Eine einfache Ursache/Wirkungsbeziehung wird man hier wohl nicht finden.

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  9. Hallo verquer,
    ok, ok, ok...Du hast natürlich recht, dass es ausreicht nachzuweisen, dass Glück und Religiösität nicht korrelieren, um zu zeigen, dass Püttmann Unsinn erzählt hat.
    Aber: a) Du hast Recht, dass Religösität positiv mit wealth inequality korreliert (http://epiphenom.fieldofscience.com/2011/01/religion-causes-wealth-inequalities.html), allerdings korrelieren Wohlstand und Religiösität stark negativ (siehe Pew Report, insbesondere den Teil Religiosity and Socal Issues: http://pewglobal.org/2007/10/04/world-publics-welcome-global-trade-but-not-immigration/).
    Wohlstand könnte also der entscheidende Prediktor sein, während die Korrelation zwischen Rel. und Glück ein epiphenomen mit extrem geringer Effektstärke ist. Was uns zu b) führt.
    b) Das Argument mit dem Variablenmischmasch kauf ich nicht, weil alle Prozesse multivariat sind und Du wechselseite Einflüsse, oder für die Professoren der Informatik unter Euch Feed-Back Loops, hast. Die Statistik dient aber gerade dazu, zu bestimmen wie stark der Einfluss der Variablen ist.
    IaW: Natürlich hängen viele Variablen zusammen, worin quantitative Verfahren allerdings über diese einfache Aussage hinausgehen ist, dass sie Auskunft über die Stärke und damit über die Vorhersagekraft einzelner Variablen Aufschluss geben udn somit zeigen können, welche Variablen wahrscheinlich zu dem beobachteten Effekt hervorrufen und welche nicht bzw. welchen Anteil einzelne Variablen an dem Zustandekommen eines Phänomens haben - z.B.: allemeine Glückseligkeit (wobei ich mich frage wieso die skandinavischen Länder über NL liegen ;-)).
    LG Martin

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  10. Hi Martin,

    Die PEW Studie kannte ich, hatte ich doch aber glatt vergessen. :) Nun kann mich sich allerdings fragen, warum erhöhter Wohlstand mit einer niedrigeren Religiösität korreliert...

    Was den Zusammenhang der Variabeln anbelangt: Ich denke, dass Du hier eigentlich nicht gegen meinen Standpunkt der wechselseitige Beeinflussung argumentierst. Ein multivariater Prozess wäre eben doch ein Prozess, in dem sich Variablen wechselseitig bedingen können. Bzgl des Endpunkts könnte man allerdings immer noch nicht entscheiden in welche Richtung das Ursache/Wirkungsverhältnis geht - wobei natürlich klar ist, dass man Dank einer mulitvariaten Analyse weiss, an welcher Schraube man drehen sollte.

    Auch wenn ich keine multivariate Analyse durchgeführt habe, so lässt sich schon aus den obigen Grafiken entnehmen, dass Religiösität international gesehen kein Haupteinfluss auf das gesellschaftliche Glück darstellt. Während wir in Europa die fast gesamte Bandbreite von Religiösität haben (20%-100%), beobachten wir nicht die gesamte Bandbreite an Glück (Russland landet so bei 4).

    Insgesamt denke ich, dass wir eigentlich alle Daten für eine multivariante Analyse bzgl des Endpunkts "gesellschaftliches Glück" haben, es muss nur noch mal einer machen. Ich erwarte, dass Religiösität nur einen geringen Einfluss hat - und das muss sie ja auch, denn irgendwie sind wir die ja auch losgeworden.

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  11. Hi verquer,
    erstmal Kudos, dass Du Dir die ganze Arbeit gemacht hast!!! Hier eine Idee (die noch mehr Arbeit bedeuten würde...): Ihr habt ja schon in einer früheren Folge auf Gapminder hingewiesen und Du hast Dir ja auch andere Datenbasen gesucht... Wie wäre es denn wenn Du als ein mittelfristges Anliegen ein Buch in Angriff nehmen würdest, in welchem Du möglichst vielen Variablen in ein großes mutivariates Modell aufnimmst und z.B. die Zusammenhänge zwischen Rel. und Bildung, Wohlstand etc. untersuchst? Einen potentiellen Käufer hättest Du schon ;-)
    So weit ich weiß gibt es so eine große, quantitative Analyse zu Rel. noch nicht...Es gibt halt kleinere Studien, die z.B. neg. Korrelationen zwischen Rel. und Bildung nachweisen (http://www.jstor.org/pss/3511041). Ist unverschämt on mir, würde mich aber trotzdem interessieren :)
    LG Martin

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  12. Hi Martin,

    ich denke, dass es wirklich Zeit für eine solche, großangelegte Studie ist. Besorg mir doch einfach eine bezahlte, post-doc Level Stelle für ein Jahr, wo ich mich nur damit beschäftigen kann und ich verspreche Dir ein dementsprechendes Buch. ;) Nun ernsthaft: Ich würde sowas liebend gerne durchziehen, aber dafür habe ich einfach nicht die Zeit. Man bräuchte wohl ein Wikibasiertes Projekt...

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  13. Whar, wahr: post-doc Stellen liegen nicht af der Straße... Es ist aus meiner Sicht völliger irre und nicht nachvollziehbar, dass so ein Projekt nicht im Exzellenzcluster in Münster durchgeführt wird!!! (vgl.: http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/forschung/projekte/saeule_c.html).
    Ein Schelm wer böses dabei denkt...
    LG Martin
    LG
    Martin

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  14. Na... sowas kommt vielleicht auch noch. Die Hoffnung stirbt zuletzt und ausserdem: in dubio pro reo.

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  15. Ein weiterer Faktor wäre noch: Wie sieht das bei andern Göttern aus? Jahwe ist doch noch lange nicht der einzige Gott, der zZ. angebetet wird.

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  16. Erwartest Du, dass sich der Zusammenhang zwischen Gottesglauben und Glueck mit der Gottesverion aendert?

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