Mittwoch, 30. Dezember 2009

Society without God

Sechzehn Monate verbrachte Phil Zuckerman, Soziologie-professor an der Pitzer University, in Dänemark und Schweden, um sich des Studiums eines in der Soziologie sträflich vernachlässigten Themas zu widmen: Der Nichtglaube.

Die beiden skandinavischen Länder gehören zu den ungläubigsten Ländern der Welt. Gerade mal 24% der Dänen und 16% der Schweden glauben an einen personalen Gott. Der Glaube spielt im öffentlichen Leben praktisch keine und in der Politik überhaupt keine Rolle. Doch gleichzeitig erzielen Dänemark und Schweden in Bereichen sozialer Indikatoren regelmäßig Spitzenplätze (bspw. Kriminalitätsrate, Bildung, Gesundheitssystem, Einkommensgerechtigkeit, persönliches Glück). Offenbar braucht eine Gesellschaft keinen Gott, um gut oder ethisch oder glücklich zu sein. Doch warum?

In seinem Buch „Society without God“ berichtet Zuckerman von seinen Forschungsresultaten, die sich zusammen mit offiziellen Statistiken aus seinen 150 geführten Interviews speisen. Das Buch ist allerdings kein trockener Forschungsbericht. Vielmehr benutzt Zuckerman einen sehr persönlich-anekdotischen Stil, in dem er zum Beispiel Auszüge von Interviews wortwörtlich zitiert - leider ohne dabei die vielen „ähms“ und Pausen zu vergessen, was zu mindestens mir ziemlich auf den Keks ging.

Meiner Auffassung nach geht es Zuckerman inhaltlich um folgende Ziele.
  • Widerlegung der bis zum Erbrechen gehörten These, dass eine Gesellschaft Gott bräuchte, um gut zu sein.
  • Gründe für den erstaunlichen Säkularisierungsgrad in den beiden Ländern zu finden (Ich werde in einem späteren Beitrag darauf eingehen).
  •  Aufforderung an Soziologen das Leben der Atheisten und nicht religiösen Menschen zu untersuchen (und damit den Fluss zukünftiger Forschungsgelder zu sichern).
Der Stil des Buches lässt aber noch ein ganz anderes Ziel vermuten. So scheint mir der prägnant persönliche Stil darauf hinzudeuten, dass Zuckerman die dämonisierten, weil atheistischen Mitmenschen dem amerikanischen Durchschnittschristen sympathischer machen möchte.

Einen wirklichen Kritikpunkt an diesem Buch habe ich aber. So behauptet Zuckerman, dass ein  Faktor der nicht vorhandenen Religiosität in Dänemark und Schweden das lange Fehlen äußere Feinde sei, legt aber in einem späteren Kapitel die deutlichen Parallelen zwischen Juden und Skandinavier offen. Zwar sind Gruppen bzgl. ihres starken Säkularisierungsgrades vergleichbar. Aber man kann wohl kaum behaupten, dass sich die Juden in ihrer Vergangenheit über zu wenig Feinde beklagen können. Natürlich lässt sich dieser scheinbare Widerspruch leicht auflösen (äußere Feinde stellen nur ein Faktor unter vielen dar), aber es wäre schön gewesen, wenn Zuckerman wenigstens darauf eingegangen wäre.

Insgesamt empfehle ich die Lektüre dieses Buches gerade den Gläubigen, denen der versöhnliche Schreibstil des Buches sehr entgegen kommen wird.

Zitat zur Wochenmitte

Religion und Heuchelei sind Zwillingsschwestern, und beide sehen sich so ähnlich, dass sie zuweilen nicht voneinander zu unterscheiden sind.

- Heinrich Heine

Dienstag, 29. Dezember 2009

Marien(projektions)wunder

Zur Zeit ist wohl mal wieder ein katholisches Marienwunder nötig, vielleicht gerade in Ägypten um die Muslime dort von der "Wahrheit" zu überzeugen. Aber heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel?



Nehmen denn diese koptischen Christen (die haben witzigerweise einen eigenen Papst) die Bibel wirklich ernst, wenn sie mit solchen offensichtlichen Lügen ihrem Gott die Ehre reichen wollen? So steht doch in Römer 3:

7 Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? 8 Ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen: Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist gerecht.

Haben die keine Angst vor dem richtenden, strafenden Gott? Warum werde ich den Verdacht nicht los, dass diejenigen, die die Herde führen gar nicht glauben was sie verkünden, die Schäfchen, die Dummen, aber schon...

Celebrity Deathmatch: Thor vs. Jesus



Quelle: atheistnexus.org

Montag, 28. Dezember 2009

Religion in USA verliert an Bedeutung

Wie Telepolis berichtet, geht der Glaube auch in dem sonst stark evangelikal geprägten Amerika zurück. Vielleicht sind die Evangelikalen ja auch selbst der Anlass dazu:

...Vielleicht haben auch Politiker wie George Bush zu viel Schindluder mit der Religion betrieben und sind die stramm rechten, meist evangelikalen Gläubigen mit ihrer Heiligsprechung des freien Kapitalismus, der kriegerischeren Missionierung, der Ablehnung des Sozialstaats, der Missachtung der Wissenschaft (vor allem, was die Klimaerwärmung und die Evolution betrifft) und der altertümlichen Bio-, Geschlechter- und Sexualpolitik betrifft, nun doch einmal an die Grenzen der Glaubwürdigkeit oder des Ertragbaren gestoßen...

Mehr hier...

Sonntag, 27. Dezember 2009

Zitat zum Sonntag

Der Volksmund sagt: Religion ist Opium für das Volk. Das ist irreführend. Opium ist eine bewußtseinserweiternde Droge.

- Volker Pispers

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Woher wir kommen - ein Vorspiel


Du existierst nicht - ein statistischer Beweis

Im folgenden möchte ich kurz beweisen, dass deine Existenz, mein werter Leser, so absurd  unwahrscheinlich ist, dass man sie statistisch ausschließen muss. Dafür möchte ich dich vereinfachend als Summe deiner Gene definieren. Andere Gene sollen hier einer anderen Person entsprechen und diese wärst dann nicht du. Folglich würdest du nicht existieren, wenn dein Vater eine andere Frau als deine Mutter im biblischen Sinne erkannt hätte. Um meinen Sexismus zu tarnen, soll das umgekehrte natürlich auch gelten.

Mischen wir mal die Karten für deine Existenz möglichst günstig und gehen davon aus, dass deine Mutter bloß die Wahl zwischen zwei Fortpflanzungspartnern hatte und sie also mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% deinen Vater gewählt hat. Gleiches soll für deinen Vater gelten, der somit mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% deine Mutter wählte. Damit du nun entstehen konntest, muss erstens dein Vater deine Mutter ausgesucht haben und zweitens deine Mutter deinen Vater. Die Wahrscheinlichkeit Deiner Existenz liegt somit bei 25%.

Aber halt! Dein Großvater mütterlicherseits muss ja auch deine Großmutter mütterlicherseits als Partnerin gewählt haben, damit du entstehen konntest. Das gleiche gilt natürlich auch für deine Großeltern väterlicherseits. Alle sechs Teilnehmer (vier Großeltern und zwei Eltern) müssen also jeweils den richtigen Partner gewählt haben, um deine Existenz zu sichern. Jeder Teilnehmer wählt nun mit 50% Wahrscheinlichkeit den richtigen Partner und die Wahrscheinlichkeit deiner Existenz sinkt auf magere 1,56% (= 0,5^6).

Nun sollte klar sein, wie dieses Spielchen weitergeht. Deine acht Urgroßeltern müssen wiederum die richtigen Partner gewählt haben, ebenso wie deine 16 Ururgroßeltern. Mit zunehmender Zahl an in Betracht gezogener Generation sinkt die Wahrscheinlichkeit deiner Existenz ins Bodenlose. Bezeichnet man mit p die Wahrscheinlichkeit zur richtigen Partnerwahl (hier p=0,5 oder 50%) und mit n die Zahl der betrachteten Generationen, dann existierst du mit einer Wahrscheinlichkeit von

Geht man nun von einer durchschnittlichen Generationslänge von 20 Jahren aus, dann implizieren die im allgemeinen akzeptierten 200.000 Jahre seit der Menschwerdung, 10.000 Generationen an Vorfahren, die schließlich zu dir führten. Die 10.000 Generationen wiederum bedeuten, dass etwa 2*10^3010 (das ist eine 2 mit 3010 Nullen!) Partnerwahlentscheidungen getroffen werden mussten. Jede dieser Partnerwahlentscheidung muss die richtige gewesen sein, was jeweils mit einer Chance von 50% geschah. Insgesamt ergibt sich also, dass du mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 10^9030 (eine 1 mit 9030 Nullen) existierst.

Und willst du wirklich behaupten, dass du diese Chance geschlagen hast? Lächerlich.



Offenbar lief bei diesem Beweis irgendetwas schief und natürlich möchte ich genau darauf hinaus. Der subtile Grund für die Fehlleistung des Beweises liegt in der implizit angenommen Fragestellung. Ausformuliert würde die Frage lauten: „Wie groß ist die Chance, dass gerade eben ich existiere?“ oder knapper formuliert „Warum existiere gerade ich?“

Bei einer solchen Fragestellung denkt man vom Ergebnis her und ordnet diesem eine unverdiente Besonderheit zu. Der scheinbare Widerspruch zwischen der Unwahrscheinlichkeit der eigenen Existenz und der tatsächlichen Existenz löst sich in wohl gefallen auf, wenn man nicht vom Ergebnis sondern von den anfänglichen Möglichkeiten her denkt. Irgendwelche Menschen muss es ja geben und ich bin eben einer davon.

Mit der Zueignung zu diesem Thema habe ich versucht, die Anwendung dieses Gedankenmodells auf das gesamte Universum zu veranschaulichen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Woher wir kommen - eine Zueignung


Stellen Sie sich das Universum vor!

Beginnen Sie dafür bei der Vorstellung einer unermesslich riesigen, vollkommen leeren und absolut dunklen Weite. Setzen Sie in diese einen Stern und fügen Sie ein paar Planeten hinzu. Treten Sie  zehnbillionen Kilometer zurück und erfreuen Sie sich für einen Augenblick an ihrem persönlichen Sonnensystem.


Unser Sonnensystem [Wikipedia]

Treten Sie weitere Millionen Billionen Kilometer zurück. Ihr Stern wird zu einem kaum wahrnehmbaren Funkeln in der erdrückenden Schwärze. Fügen Sie der Leere weitere Sterne hinzu - sagen wir mal 100 Milliarden. Vergessen Sie dabei nicht, dass etwa die Hälfte aller Sterne ein Planetensystem besitzen sollten. Erfreuen Sie sich für einen Augenblick am majestätischen Anblick ihrer ganz privaten Galaxie.


Andromeda-Galaxie [Wikipedia]

Treten Sie eine Billionen Billionen Kilometer zurück. Ihre Galaxie wird zu einem unscheinbaren Lichtpünktchen in der leeren Weite des Universums. Fügen Sie der Leere weitere Galaxien hinzu - sagen wir mal etwa 100 Milliarden. Vergessen Sie nicht, dass jede Galaxie aus 100 Milliarden Sterne besteht, von denen wiederum die Hälfte ein Planetensystem besitzen. Erfreuen Sie sich für einen Augenblick an der gigantischen Aussicht, die Ihnen Ihr ganz persönliches Universum bietet.



Fügen Sie ihrem Universum Lebewesen hinzu!

Stellen Sie sich dazu die physikalischen und chemischen Prozesse vor, die auf Ihren Planeten stattfinden und geben diesen viel Zeit – sagen wir mal 13,7 Milliarden Jahre. Stellen sie sich vor wie die Sterne Ihre Planeten mit beinahe unbegrenzter Energie versorgen und damit abermilliarden verschiedene chemische Reaktionen in Gang setzen. Die von den Reaktionen produzierten Moleküle werden zunehmend komplizierter, bis dann auf myriaden von Planeten, die alle die richtigen Umweltbedingungen bietet, ein Molekül entsteht, dass sich selbst replizieren kann. Das Leben hat Einzug in Ihr privates Universum erhalten und will sich weiterentwickeln.

Verfolgen Sie all diese Lebensentwicklungsprozesse über die Jahrmilliarden hinweg, solange bis irgendwann in den 13,7 Milliarden Jahren auf irgend einem Planeten irgend eines der 100 Milliarden Sonnensystem in irgendeiner der 100 Milliarden Galaxien ein Wesens entsteht, dass sich fragt: "Woher komm ich?"

Montag, 21. Dezember 2009

Ohne Kommentar



Quelle

Sonntag, 20. Dezember 2009

Zitat zum Sonntag

Der Sinn fällt nicht vom Himmel, er wird auch nicht von einer Religion gestiftet, sondern ich selbst stifte Sinn, indem ich mir mein Tun wichtig mache.

- Reinhold Messner

Samstag, 19. Dezember 2009

Logische Fehlschlüsse (9) - Argument von der Mehrheit

Beschreibung: These A wird begründet, in dem darauf hingewiesen wird, dass viele oder gar die Mehrheit der Menschen diese als wahr akzeptieren.

Logische Struktur: Weil viele, deswegen A.

Beispiel: Dieses gern und häufig benutzte Argument ist so offensichtlich ein logischer Fehlschluss, dass ich mit der Angabe eines Beispiels die Intelligenz meiner Leser beleidigen würde. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass es durchaus Umstände gibt, in denen das Argument von der Mehrheit keinen logischen Fehlschluss darstellt. So basiert etwa der Machtanspruch einer demokratisch gewählten Partei letztendlich auf dem Argument von der Mehrheit. Innerhalb einer Existenzdiskussion („Gibt es Gott?“) stellt das Argument von der Mehrheit allerdings immer einen logischen Fehlschluss dar.

Nun gut, ein klitzekleines Beispiel möchte doch noch anführen, weil es wirklich außerordentlich gut verpackt daher kommt. So verteidigt Peter Hahne (jepp, der Peter Hahne vom heute-journal) das Christentum in diesem Video mit folgendem Ausspruch: „Alles irre, oder wie?“ Diese Kombination aus Argument von der Mehrheit und implizit unterstellten ad hominem finde ich wirklich klasse. Die Antwort darauf fällt allerdings so leicht, dass diese auch ohne Rückgriff auf höhere Gehirnfunktionen geben werden kann.
Muslime sind alles irre, oder wie?
Hindus sind alles irre, oder wie?
Atheisten sind alles irre, oder wie?
Buddhisten sind alles irre, oder wie?
Juden sind alles irre, oder wie?
Bahais sind alles irre, oder wie?
Homöopathen sind alles irre, oder wie?
Ufo-Anhänger sind alles irre, oder wie?
Astrologen sind alles irre, oder wie?
Leute, die an die Funktionstüchtigkeit von Ohrenkerzen glauben, sind alles irre, oder wie?

Freitag, 18. Dezember 2009

Gottesdienst nicht mehr gefragt

Eine Umfrage der Apotheken Umschau ergab, dass etwa jeder zweite Deutsche (48,3%) in irgendeiner Form gläubig ist, wobei hier weder Aussagen hinsichtlich der Religion, der Art des Gott- oder Geisterglaubens, noch dessen psychologischer Tiefe gemacht werden. Wohl aber sagt man zur Institution der christlichen Kirchen folgendes:

...Der kirchliche Gottesdienst spielt dagegen eine geringere Rolle – 38,4 Prozent der Deutschen nehmen nur an hohen Festtagen daran teil. Viele (41,7 Prozent) besuchen Kirchen nur im Rahmen von Besichtigungen. Nur jeder Zehnte (10,1 Prozent) gibt an, regelmäßig, mindestens einmal die Woche Gottesdienste zu besuchen...

Da stellt sich doch die Frage inwieweit hier noch die Finanzierung dieser Institutionen durch den Staat und letztlich durch den (auch nicht in der Kirche gemeldeten) Steuerzahler gerechtfertigt sein kann.

Quelle

Kindliche Vernunft

Wie ernüchternd einem die kindliche Vernunft bereits die Mißstände des Gottglaubens aufzeigen kann:



Eine Schande, dass dieser bereits angeborene Verstand durch religiöse Indoktrination von der Taufe an verstümmelt wird...

Gefunden hier...

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Von der Unfreiheit des Willens

"Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will!" Schopenhauers Wort von der Unfreiheit des Willen, begleitet mich in allen Lebenslagen und bewahrt mich davor, den Menschen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.

- Albert Einstein


Ausgelöst vom Feuerbringer* von Nic in seinem Bloghaus geistert zur Zeit eine Debatte über den freien Willen durch die deutschsprachigen Atheistenblogs. Wobei geistern durchaus wortwörtlich gemeint ist. Nahm ich doch bisher an, dass niemand, der sich etwas ausführlicher mit der Frage beschäftigt hat, weiterhin an den freien Willen glauben könnte. Weit gefehlt.

Interessanterweise erinnert die Diskussion ein wenig in Form und Inhalt an die weitbekannten Debatten mit Gläubigen. Offenbar sind auch meine Mitungläubigen nicht vor der Benutzung von logischen Fehlschlüssen und inhaltsleeren Aussagen gefeit. Nicht, dass ich diesbezüglich makellos wäre...

Wie der Leser vermutlich bereits befürchtet, möchte ich hiermit meinen Senf zur Diskussion präsentieren. Dabei habe ich mich bemüht, diesen Artikel möglichst allgemein verständlich zu schreiben. Mir geht es nämlich arg auf den Keks, wenn man Absätze einiger Diskussionsteilnehmer wieder und wieder lesen muss, bevor man auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was mit den vielen langen Sätzen, um nicht zu sagen Bandwurmsätzen, die sich mitunter auch und gerade über mehr als fünf Zeilen erstrecken, so dass man in der Mitte aber doch wohl spätestens am Ende des Satzes schon vergessen hat, worüber gesprochen wird bzw. werden sollte, soweit man überhaupt davon ausgeht, dass etwas gesagt bzw. gesagt werden sollte, wohl ausgedrückt werden sollte. Beginnen wir also mit drei Definitionen.

Wille: Mit Wille ist ziemlich genau das gemeint, was man sich im allgemeinen drunter vorstellt und sich in der Aussage "Ich will Schokolade" wiederspiegelt. Etwas umschreibend gesagt, ist der Wille der Wunsch, das Begehren, die Absicht oder die Intention eine bestimmte Handlung auszuführen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Handlungsfreiheit: Die Freiheit zu tun, was man will. Damit ist bloß die Freiheit gemeint, Handlungen auszuführen, die dem eigenen Willen entsprechen. Wenn ich zum Beispiel Lust auf Schokolade verspüre, kann ich Schokolade essen, soweit diese vorhanden ist. Handlungsfreiheit ist also dann gegeben, wenn sich die Handlung mit dem Wunsch deckt. So weit, so trivial.

Willensfreiheit: Die Freiheit zu wollen, was man will. Das klingt dem ersten Augenschein nach unglaublich mysteriös, sagt aber nicht mehr aus, als das man die Fähigkeit hat, selbst zu entscheiden, was man will. Ich kann also nicht nur Schokolade essen, wenn ich Lust drauf habe. Ich soll auch noch die Fähigkeit haben zu entscheiden, wann ich Lust auf Schokolade habe.

Aber gibt es den freien Willen? Kann ich mich just in diesem Augenblick entscheiden, Lust auf Schokolade zu haben? Ich weiß nicht, wie es da meinem verehrten Leser geht, aber bei mir will das nicht so richtig klappen. Mir ist eher nach Zimtsternen...

In bester Tradition Einsteins möchte ich mich der Beantwortung dieser weltunbewegenden Frage mit einem Gedankenexperiment nähern. Dazu setzen wir ersteinmal Handlungsfreiheit vorraus, packen zweiteinmal meinen eventuell sogar freien Willen in eine black box und setzen mich drittens vor die Wahl zwischen Schokolade und Zimtsternen. Dank der Trivialvorraussetzung der Handlungsfreiheit ist meine nach außen sichtbare Entscheidung für eine der angebotenen Süßigkeiten offenbar ein eindeutiger Hinweis auf den Inhalt meines Wollens.

Wie es sich für einen ordentlichen Gedankenexperimentator gehört, wiederholen wir das Experiment unendlich oft, wobei die Startkonditionen jedesmal dieselben sein sollen. Dazu kopieren wir einfach das Ausgangsuniversum samt seines kompletten geschichtlichen Ablaufs bis zum Zeitpunkt meiner Naschentscheidung.

Nun gibt es zwei prinzipielle Resultate. Entweder entscheide ich mich in allen Alternativuniversum gleich (zum Beispiel für Zimtsterne) oder ich entscheide mich mal für Schokolade und mal für Zimtsterne. Mein Wille und damit meine Entscheidung kann also entweder deterministisch (festgelegt) oder indetermistisch (nicht festgelegt) sein.

Determinismus: In einem deterministischen Universum sind alle zukünftigen Ereignisse durch vergangene eindeutig festgelegt. Wenn ich mich also in jedem der Alternativuniversen für Zimtsterne entscheide, dann deckt sich dieses Ergebnis mit den Erwartungen an ein deterministisches Universum. Offensichtlich ist in einem solchen Universum meine Entscheidung und damit auch mein Wille festgelegt und kann von mir auch nicht beeinflusst werden. Ist der Determinismus wahr, so gibt es keine Willensfreiheit.

Indeterminismus: Verwundlicherweise ist das indeterministische Universum das Gegenteil eines deterministischen Universums. Zukünftige Eregnisse sind also nicht durch vergangene eindeutig festgelegt. Stattdessen kann man allen Ereignissen eine bestimmte Realisierungs-Wahrscheinlichkeit zuordnen und damit kommt der Zufall ins Spiel. In einem solchem Universum würde ich Leben, wenn ich mich mal für Schokolade und mal für Zimtsterne entschiede.

Kann man aber beim Indeterminismus wirklich von Willensfreiheit reden? Wenn mein Wille und der Wille zur Veränderung des Willens allein auf Grund eines Zufalls zustande kommt (das Neuron feuert oder es lässt es eben bleiben) und ich selbst keinen Einfluss auf diesen Zufall habe (Neuron 23xf.6654-II bitte mit einer Wahrscheinlichkeit von 32% feuern!), was bleibt dann noch von meinem freien Willen übrig? Reiner Zufall und Willensfreiheit vertragen sich nicht und deswegen gilt: Ist der Indeterminismus wahr, so gibt es keine Willensfreiheit.

Schluss: Der freie Wille ist tot! Es lebe seine Illusion!



Der letzte Strohhalm: Da die ehrenswerten Leser dieses Blogs sicherlich zur geistigen Elite der Welt gehören, bin ich zuversichtlich, dass jeder die folgende Frage wird beantworten können. Welchen logischen Fehlschluss habe ich in diesem Artikel benutzt? Die Antwort lautet natürlich: die (eventuell) falsche Dichotomie.

Als ich den Indeterminismus mit dem Zufall gleichgesetzt habe, habe ich implizit eine (eventuell) falsche Dichotomie konstruiert, nämlich die zwischen "alles ist festgelegt" und "alles ist zufällig". Wenn jemand weiterhin an die Willensfreiheit glaubt, muss er genau hier ansetzen. Dieser jemand müsste zeigen, dass es in einem indeterministischen Universum etwas anderes als Zufall gibt. Im Prinzip müsste er eine neue Art von Mathematik erfinden, die weder deterministisch noch mit dem Zufall arbeitet. Ich wünsche allen, die sich auch weiterhin verzweifelt an die Willensfreiheit klammern, viel Spaß bei dieser Aufgabe!



* In der ersten Version dieses Artikels hatte ich behauptet, dass der Feuerbinger die Diskussion über den freien Willen angestoßen hat. Diese Information ist falsch und es soll Ehre bekommen, dem Ehre gebührt. All hail to nicsbloghaus!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Theory

Shouldn't creationists believe that sheeps may lift off?



For more click here.

Warum Menschen glauben

In der neuesten Bild der Wissenschaft gibt es eine interessante Untersuchung zum Thema, wie der hpd berichtet:

...Religiöse Aussagen haben wenig mit Vernunft zu tun, da sie in Hirnregionen verarbeitet werden, die für das emotionale Erleben "zuständig" sind. Psychiatrische Studien belegen, dass es einen Übergang von alltäglicher Religiosität hin zu Wahnformen gibt, besonders in der Schizophrenie, die dadurch gekennzeichnet sind, dass eine kritische Reflexion nicht mehr stattfindet. Außerdem zeigte sich, dass ein Dopamin-Überschuß im Gehirn leichtgläubige "Schafe" erzeugt und abergläubisches Verhalten begünstigt...

...Ob Menschen religiös sind, hängt hauptsächlich von ihrer psychischen Verfassung ab und von der Qualität der Gesellschaft, in der sie leben. Ängstlichere Menschen neigen zu Autoritätsgläubigkeit und sind deshalb eher religiös. Und je ungerechter es in einer Gesellschaft zugeht, desto größer ist die Bedeutung der Religion. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Religion diese Ungerechtigkeiten begünstigt, Aufklärung dagegen ein insgesamt glücklicheres und längeres Leben in einer nach vielen Kriterien bemessenen "gesünderen" Gesellschaft...

Offenbar ist Glaube, wie wir schon vermutet haben, tatsächlich größtenteils heilbar und es bestätigt sich zudem der Verdacht, das religiöser Glaube in vielen Fällen durch psychische Defizite bestärkt oder ausgelöst wird.

Montag, 14. Dezember 2009

Todesstrafe für Schwule

Allianz der christlichen Schwulengegner

Uganda droht Schwulen und Lesben mit der Todesstrafe. Die Spuren des Skandals führen bis nach Washington – und bringen dort religiöse Netzwerke und hochrangige US-Politiker in Erklärungsnot.

...Zum Skandal mit internationalem Ausmaß wird das geplante Gesetz durch die Verwicklung religiöser Gruppen aus den USA. Evangelikale Organisationen üben seit Jahren Einfluss auf die ugandische Staatsführung aus...

Sonntag, 13. Dezember 2009

Zitat zum Sonntag

Question with boldness even the existence of a God; because, if there be one, he must more approve of the homage of reason, than that of blind-folded fear.

- Thomas Jefferson

Warum weinst Du?


Samstag, 12. Dezember 2009

Boomerang

Evangelische Kirche darf in U-Bahnen nicht werben

Nun kommt mal Bewegung in die Frage um öffentliche Werbung für Religion. Freuten sich die Christen noch zuletzt darüber, dass die Verkehrsbetriebe in Deutschland die atheistischen Plakate nicht anbringen wollen, so sind sie jetzt selbst von der konsequenten Bestimmung sämtliche weltanschaulichen Werbungen zu unterlassen betroffen.

Quelle und Kommentare

Von der Schwierigkeit zu Negieren


Bekannterweise hatte die Freidenker-Vereinung der Schweiz mit solch hübschen und vorallen intellektuell redlichen Plakaten die metaphorisch-atheistischen Herzen der Eidgenossen erwärmt. Natürlich konnte sich die Pfaffenfraktion nicht zurückhalten und musste dagegen plaketieren, weil
"[wir] den Leuten zeigen [wollen], dass es eine andere Sicht der Dinge gibt",

Quelle: pro-medienmagazin.de
so der Oberpriester der Markuskirche in Luzern. Das ist natürlich richtig und sinnvoll, denn man fragt sich doch immer wieder, wozu diese ganzen eckigen Turmbauten und das Glockengeschepper wohl dienen mögen (rund dürfen die Türme ja nicht mehr sein). Ausserdem
"sei die Botschaft der Atheisten zu negativ formuliert",
meint Pastor Hohlmann... äh... Kolmann und da hat der gute Mann sicherlich recht. Denn erstens gibt es ja zwei Negationen auf dem Plakat (kein Gott und nicht sorgen) und zweitens erlöst die postulierte Existenz des Himmelbarts den Menschen von der unerträglichen Last eines selbstbestimmten Lebens. Deswegen hat sich Kolmann in guter christlicher Tradition entschlossen, sich nichts neues auszudenken (Frage: Welche Sagengestalt starb und stand drei Tage später wieder von den Toten auf?). Stattdessen übernahm er die Idee  der Freidenker und plakatierte mit derselben Aufmachung. Wobei das Kolmannsche Plakat
"die genau umgekehrte Bedeutung der Plakate der Atheisten"
haben soll, wie das christliche Medienmagazin PRO zu berichterstatten weiß. Nun sollte es klar sein, dass sich die umgekehrte Bedeutung eines Satzes mit einer Negation herstellen lässt. Wenden wir also die Negationsoperation auf die Aussagen des Freidenker-Plakats an und sehen uns das Ergebnis an:
Da ist wahrscheinlich ein Gott
Also sorge Dich
Geniess nicht das Leben
Das gibt zwar meiner Meinung nach die christliche Botschaft ziemlich gut wieder, deckt sich aber nicht unbedingt mit der Arbeitsunterlassungs-Aufforderung, die tatsächlich am Kirchturm prangerte:
Da ist bestimmt ein Gott
Also sorg Dich nicht
Gott sorgt für Dich
Wobei ich anmerken möchte, dass mir der Gebrauch des Wortes "bestimmt" ganz besonders gut gefällt.



Übrigens kann es durchaus sein, dass ich hier gegen imaginäre Windmühlen kämpfe, denn wie es im Impressum von PRO heißt:
"KEP [Herausgeber von PRO] übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen."
Und das ist ja nun wieder erfrischend ehrlich.



Für die Erlaubnis den hier besprochenen Artikel auszugsweise zitieren zu dürfen, möchte ich dem christlichen Medienmagazin PRO herzlich danken.

Freitag, 11. Dezember 2009

Die Schöpfung Gottes



Gefunden in: reddit.com/r/atheism/

Wissen, Glaube und ein bisschen Erkenntnistheorie

Der Akzeptiker©: Weißt Du, wie spät es ist?
Der Schmoller: Du meinst wohl "glaubst Du, wie spät es ist"!


Was können wir wirklich mit absoluter und hundertprozentiger Sicherheit wissen? Wer noch nie über diese Frage gestolpert ist, könnte durchaus von der Antwort überrascht sein. Die Antwort lautet nämlich: Nichts.

(Wobei ich hier das introperspektivische Wissen um die eigene Existenz nach Descartes ausschließen möchte, da dieses per Definition nicht nach außen demonstrierbar ist.)

Ich hoffe, dass ich mit meinem Märchen über die Erkenntnistheorie den Leser soweit vorbereitet habe, dass die Einsicht leicht fällt. Wenn man eine Aussage bewiesen hat, kann man sich trotzdem nicht absolut sicher sein, dass diese Aussage auch stimmt. Es könnte sich ja ein Fehler in den Beweis eingeschlichen haben oder die Beweismethode an sich könnte irgendwie unvollkommen sein. Das heißt also, dass man den Beweis beweisen muss. Und den Beweis des Beweises des Beweises. Und so weiter und so fort...

Ehrlich gesagt, empfinde ich diese Erkenntnis als höchst trivial und sie kann wohl nur deswegen schockieren, weil sie unseren naiven Erwartungen zuwiderläuft. Wenigstens in der Mathemtik, so könnte man hoffen, sollte doch alles auf einer unanfechtbaren Basis stehen. Von wegen...

Im allgemeinen kann man die Reaktionen auf diese erschütternde Erkenntnis in zwei Kategorien einteilen. Da gibt es zum einen den Schmoller und zum anderen den Akzeptiker©.

Der Schmoller: Echtes Wissen ist prinzipiell unerreichbar und existiert daher nicht. Das, was man im allgemeinen Wissen nennt, ist also bloß ein Glaube. Da alle Glaubensinhalte auf einer ähnlichen, nämlich letzendlich wackligen Basis stehen, sind diese auch in ihrer Rationalität gleichwertig und vernünftig. Somit ist kein Glaube besser als der andere.

Ich hoffe, dass die Probleme dieses Standpunkts, den viele Gläubige mit den Postmodernisten teilen, offensichtlich sind.

Zu allererst sollte klar sein, dass Glaubensinhalte vollkommen beliebig werden und unabhängig von ihrer eigenen Absurdität gleichwertig nebeneinanderstehen. Der "Glaube" an den Materialismus ist genauso vernünftig wie der Glaube an einen Gott, welcher genauso vernünftig ist wie der der Glaube an die Heilwirkung von schlichtem Wasser (i.A. als Homöopathie bekannt), welcher genauso vernünftig ist wie der Glaube an Feen und Kobolde, welcher genauso vernünftig ist wie der Glaube an den Käsemond, welcher genauso vernünftig ist wie die Überzeugung der wiedergeborene Napoleon zu sein, welche genauso vernünftig ist wie die Überzeugung fliegen zu können und vom Dach zu springen.

Desweiteren kann man leicht zeigen, dass man die Wörter "Wissen" und "Glaube" nicht mehr sinnvollerweise einsetzen kann. Stellen wir uns dazu einfach Wissen und Glaube als zwei Töpfe vor und sortieren in diese alle Erkenntnisse. Offenbar müssen für den Schmoller alle Erkenntnisse in den Glaubenstopf einsortiert werden, während der Wissenstopf leer bleibt. Wozu sollten wir aber dann überhaupt sortieren und wozu bräuchten wir noch die Töpfe? Oder anders ausgedrückt: Wozu bräuchten wir überhaupt die Wörter "Wissen", wenn dieses auf gar nichts anwendbar ist, und "Glauben", wenn dieses auf alles anwendbar ist?

Ausserdem - und hier wird es wunderbar selbstbezüglich - gehört doch die Aussage, dass wir nichts wirklich wissen können, in den Glaubenstopf, oder? Der Schmoller glaubt also nur, dass wir nichts wissen können. Er kann sich ja noch nicht einmal hundertprozentig sicher sein, dass seine Sortierung in die Kategorien Wissen und Glauben richtig ist. Damit löst sich die Bedeutung der beiden Wörter vollkommen auf und der Schmoller verabschiedet sich von aller sinnvollen Diskussion.

Der Akzeptiker©: Wissen im absoluten Sinne ist prinzipiell unerreichbar und existiert daher für uns nicht. Auch wenn diese Erkenntnis unsere naiven Erwartungen entäuscht, so müssen wir das akzeptieren. Damit wir die Wörter "Wissen" und "Glaube" noch in einer sinnvollen Art und Weise benutzen können, müssen wir sie offensichtlich anders definieren als es uns unsere Intuition suggeriert und wir es gerne hätten.

In die Kategorie Wissen gehört alle Erkenntnis, die vernünftigerweise nicht angezweifelt werden kann. Dabei soll vernünftig als das angesehen werden, was demonstrierbar und prinzipiell objektivierbar mit der Realität korrespondiert. Eins plus Eins ist Zwei, weil die Wörter so definiert sind, dass diese Aussage wahr wird. Die Gravitationskraft existiert, weil wir diese messen können und messen. Die Evolutionstheorie ist die mit Abstand beste Erklärung für die Vielfalt der Arten, weil ihre Vorhersagen immer und immer wieder bestätigt worden sind. In die Kategorie Glaube gehören alle Aussagen, die (evtl. noch) nicht unter Wissen abzuheften sind.



© Alle Rechte an dem Wort "Akzeptiker" liegen bei der Blogkugel. Der Gebrauch dieses Wortes ist ausdücklich nur ohne Genehmigung erlaubt.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ein Märchen über Erkenntnistheorie - Teil Zwei

Am nächsten Tag.

Frau Eule: Seien Sie mir gegrüßt, Herr Fuchs!

Herr Fuchs: Einen wunderschönen Tag, Frau Eule.

Frau Eule: Was treibt sie denn heute zu meinem Baum?

Herr Fuchs: Wie jeden Tag, Frau Eule, möchte ich an Ihren tiefgründigen Einsichten teilhaben - auch wenn mein Verstand natürlich zu klein ist, um diese in ihrer vollen Pracht wertschätzen zu können.

Frau Eule: Oh. Aha. Das hört man gerne.

Herr Fuchs: Wie geht es mit dem Beweis des Beweises von Eins plus Eins gleich Zwei voran?

Frau Eule: Welch Zufall, dass Sie mich gerade danach fragen. Sie werden es nicht fassen, Herr Fuchs. Ich habe es geschafft. Der Beweis ist bewiesen und endlich ist aller Zweifel ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei. Immer und überall und im ganzem Universum. Heureka!

Herr Fuchs: Das ist ja fantastisch, Frau Eule. Wie haben Sie denn diese ungeheurlich schwierige Aufgabe lösen können?

Frau Eule: Oh, mein lieber Freund, das war wirklich nicht einfach. Zu allererst dachte ich, dass ich das Problem mit der bekannten Zahlentheorie knacken könnte. Aber mit dieser hab ich dann unbeabsichtigt und eher zufällig bewiesen, dass man den Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik nicht beweisen kann.

Herr Fuchs: Das klingt ja schrecklich. Wie haben Sie denn einen Ausweg aus dieser Misere gefunden?

Frau Eule: Nun, nachdem ich also die Unbeweisbarkeit des Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik bewiesen habe, war ich schon ganz schön verzweifelt und ehrlich gesagt auch ein wenig erschreckt. Das war ja nun wirklich nicht das, was ich erwartet hatte.

Herr Fuchs: Ja, das kann ich mir vorstellen.

Frau Eule: Aber dann hatte ich die - wie ich trotz meiner weltbekannten Bescheidenheit zugeben muss - bisher genialste Idee meines Lebens. Ich erfinde einfach eine neue und mächtigere Mathematik.

Herr Fuchs: Unglaublich!

Frau Eule: Allerdings, Herr Fuchs, allerdings. Und mit dieser neuen und verbesserte Version der Mathematik - ich nenne sie Supermathematik - konnte ich dann den Beweis des Beweises beweisen.

Herr Fuchs: Nicht zu fassen.

Frau Eule: Aber doch! Nun sind endlich auch die letzten Unsicherheiten vollständig und vollumfänglich ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei (als wenn daran je ein Zweifel bestanden hätte). Das ist bewiesen und sogar der Beweis ist bewiesen.

Herr Fuchs: Das freut mich unendlich das zu hören, Frau Eule. Nach unserem gestrigen Gespräch hatte ich ja schon ein bisschen Angst, dass wir uns bei einer solch fundamentalen Wahrheit wie Eins plus Eins ist Zwei irren könnten. Man stelle sich mal die Auswirkungen vor! Unser gesamtes Wissen wäre doch mit einem Schlag nutzlos. Wenn wir nichtmals mit absoluter Sicherheit wissen könnten, dass Eins plus Eins Zwei ist, was können wir dann überhaupt wissen? Gratulation, Frau Eule!

Frau Eule: Vielen Dank, Herr Fuchs. Sehr gerne geschehen.

Herr Fuchs: Allerdings fällt mir gerade auf...

Frau Eule: Och nee... Sie immer mit Ihren Einwänden, Herr Fuchs.

Frau Fuchs: Nun ja. Wir wollen doch alle Zweifel ausräumen und mit absoluter Sicherheit wissen, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, oder?

Frau Eule: Aber natürlich, Herr Fuchs. Genau das habe ich doch in der letzten Nacht geschafft.

Herr Fuchs: Hmm... Müssten man nicht auch ihren Beweis des Beweises, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, beweisen?

Frau Eule (erschüttert): Du meine Güte! ...Sie haben Recht. Lassen Sie mich mal sehen... Man kann sicherlich erwarten, dass die Supermathematik nicht mächtig genug sein wird, um die Supermathematik zu beweisen. Das heisst also man bräuchte eine Supersupermathematik...

Herr Fuchs: Na, dann will ich Sie lieber nicht weiter stören. Auf Wiedersehen,Frau Eule!

Frau Eule (tief in Gedanken versunken): Oh?... ja... Auf wiedersehen... Nein, eine Supersupermathematik reicht auch nicht. Darauf ließe sich ja wieder die Fuchssche Argumentationsstrategie anwenden... Ha! Ich habs. Man braucht einfach eine Hypermathematik, mit der man all diese Probleme auf einen Schlag... also erschlagen kann...

Verschmitzt grinsend verschwindet der Fuchs im Wald.

Montag, 7. Dezember 2009

Ein Märchen über Erkenntnistheorie - Teil Eins

Frau Eule: Seien Sie mir gegrüßt, Herr Fuchs.

Herr Fuchs: Einen wunderschönen Guten Tag, Frau Eule.

Frau Eule: Was treibt sie denn heute zu meinem Baum?

Herr Fuchs: Wie jeden Tag, Frau Eule, möchte ich mich von der Sonne ihres unerreichten Intellekts wärmen lassen. Welche erstaunliche Erkenntnis hatten sie denn in der letzten Nacht?

Frau Eule: Ich konnte endlich ein Problem lösen, an dem ich schon lange knabbere.

Herr Fuchs: Dabei muss es sich ja um ein außerordentlich schwieriges Problem handeln. Obwohl ich mit meinem eher durchschnittlichen Verstand sicherlich nicht das Rüstzeug habe, um ihren genialen Ausführungen folgen zu können, möchte ich es doch wagen nachzufragen. Um welches Problem handelt es sich denn?

Frau Eule: Ist Eins plus Eins gleich Zwei.

Herr Fuchs: Aha... Und? ist Eins plus Eins gleich Zwei?

Frau Eule: Natürlich, Herr Fuchs. Stellen Sie sich bitte nicht dümmer als Sie sind. Aber können wir uns auch wirklich sicher sein, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist?

Herr Fuchs: Hmmm... Da haben Sie natürlich Recht. Vielleicht prüfe ich das besser nochmal nach. Dahinten sehe ich einen Baum und sie sitzen ja auf einem weiteren. Macht also ein Baum plus noch einen Baum und das ergibt... Moment, ich zähle besser nochmal nach... Eins, Zwei. Ja, macht Zwei. Eins plus Eins macht also Zwei.

Frau Eule: Aber wie können Sie sich da so sicher sein? Können sie mit hunderprozentiger Sicherheit ausschließen, dass Sie sich nicht verzählt haben? Vielleicht hat ja auch ihre Zählmethode ihre Schwächen und vielleicht sind Sie sich diesen noch nicht einmal bewusst! Um wirklich sicher zu sein, dass Eins plus Eins Zwei ergibt, brauchen wir einen Beweis, Herr Fuchs! Einen hundertprozentigen, absolut wasserdichten Beweis!

Herr Fuchs: Und dieser ist Ihnen heute Nacht gelungen?

Frau Eule: Das will ich wohl sagen. Dafür musste ich zwar tief in die Mengentheorie einsteigen - ich will Sie nicht mit den Details belästigen - aber letztendlich und mit größter Anstrengung war ich erfolgreich.

Herr Fuchs: Das ist ja wunderbar. Endlich wissen wir mit absoluter, hundertprozentiger Sicherheit, dass Eins plus Eins Zwei ergibt. Bravo, Frau Eule. Bravo!

Frau Eule: Oh. Vielen Dank, Herr Fuchs. Sie schmeicheln mir.

Herr Fuchs: Allerdings fällt mir da gerade auf...

Frau Eule: Och nee... Sie immer mit Ihren Einwänden, Herr Fuchs.

Herr Fuchs: Nun ja. Das ist mit Sicherheit eine blöde Idee, die ich wohl nur deshalb habe, weil ich ja nicht so gescheit bin wie Sie. Aber wenn wir wirklich zu hundertprozent und ohne jeden Zweifel sicher sein wollen, dass Eins plus Eins Zwei ist, müsste man dann nicht ihren Beweis beweisen?

Frau Eule (perplex): ... Wie meinen Sie?

Herr Fuchs: Nun ja. Es könnte sich doch ein Fehler in ihrem Beweis eingeschlichen haben oder ihre Beweismethode könnte eine Schwäche haben, der Sie sich überhaupt nicht bewusst sind.

Frau Eule: ... hmm.... das stimmt eigentlich. Vielleicht könnte man ja bei der Cantorschen Diagonalmethode ansetzen und auf ein reductio ad absurdum hinarbeiten...

Herr Fuchs: Na, dann störe ich Sie lieber nicht weiter. Auf Wiedersehen, Frau Eule.

Frau Eule (tief in Gedanken versunken): Oh?... ja... Auf wiedersehen. Mal schaun. Wenn man vom strengen TNT ausgeht und die Arithmoquinierung irgendwie auf sich selbst anweden könnte...

Morgen gehts weiter.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Zitat zum Sonntag

Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben.

- Martin Luther

Die Arroganz der Atheisten



Übrigens handelt es sich bei der abgebildeten Galaxie um die Spiralgalaxie ESO 510-G13 und diese ist astronomisch gesehen besonders interessant. Offenbar sehen wir diese Galaxie von der Seite aus und erstaunlicherweise scheint die Galaxiescheibe gebogen oder verdrillt zu sein - so ähnlich als würde man ein kreisförmiges Stück Plastik nehmen und an gegenüber liegenden Seiten leicht verdrehen. Dieses als galaxy warp bekannte Phänomen ist ein deutlicher Hinweis auf die Existenz Dunkler Materie, wie Professor Lesch mit seiner unnachahmlichen Art in einer Episode von alpha-Centauri erläutert.

Samstag, 5. Dezember 2009

Freitag, 4. Dezember 2009

Warum, liebe Schweiz? Warum nur?

Natürlich kann man sich verwundert fragen, warum die Schweizer den Neubau von Minaretten letzten Sonntag verboten haben. Um diese Frage zu klären, hat Lukas Reimann, jüngstes Mitglied des schweizer Nationalrates  (das Parlament der Schweiz) und der Schweizerischen Volkspartei  (steckt drin, wonach es klingt) dem Deutschlandfunk ein wirklich bemerkenswertes und erhellendes Interview gegeben. Dieses möchte ich im folgendem ausschnittsweise zitieren und lasse es mir natürlich nicht nehmen, auf die besonders relevanten Argumente einzugehen.
Deutschlandradio: Was wollten Sie bezwecken?

Reimann: Wir wollten mit der Initiative ein Zeichen setzen gegen islamische Machtsymbole, aber für ein friedliches Miteinander, für die Menschenrechte, für die Grundrechte, die ja hier gelten. Aber an diese sollen sich bitte die Einwanderer halten, die hier leben wollen.
Minarette sind also islamische Machtsymbole und wenn man diese verbietet, setzt man ein Zeichen für die Menschenrechte.
Deutschlandradio: Und das tun die Einwanderer bislang nicht?

Reimann: Also es gab und gibt viele Probleme mit nicht integrationswilligen Einwanderen hier in der Schweiz, die einfach immer nur Forderungen stellen. Sie möchten eine offiziell anerkannte Religion werden. Sie möchte Minarette bauen. Sie möchten am Sportunterricht nicht teilnehmen. Sie lehnen unsere Weihnachtsfeiern ab und das gibt dann eben dementsprechend Integrationsprobleme.*
Anerkannt zu werden, Türmchen bauen zu wollen und körperliche Trägheit geht ja noch. Aber bei Weihnachtsfeiern hört der Spaß wirklich auf. Nur wer sich auf der betrieblichen Jesusgeburtstagsfeier bis zum Anschlag die Kante gibt und dann die Sekräterin auf dem Kopierer durchnudelt, will hier leben. Der Rest hat ganz offensichtlich ein Integrationsproblem.
Deutschlandradio: Also wer in der Schweiz Bürger ist und mitwohnen und mitarbeiten möchte, der muss sich auch anpassen.

Reimann: Auf jeden Fall. Ja. Wobei mir ist schon wichtig zu betonen, dass für die Muslime weiterhin die gleichen Rechte und Pflichten gelten wie für die Schweizer auch. Also... ein Muslim hat in der Schweiz weiterhin das Recht eine Moschee zu bauen, seinen Glauben frei  auszüben. Aber er kann keine Minaretttürme bauen.
Es gelten also die gleichen Rechte für alle. Schweizer und Muslime. Nur sind die Christen eben einen Hauch gleicher.
Deutschlandradio: Viele Kritiker sagen ja jetzt - Herr Reimann, dass werfen sie Ihnen auch persönlich vor: Keine Religionsfreiheit für Muslime [unverständlich] in der Schweiz.

Reimann: Also wir sind immer und waren auch immer für die Religionsfreiheit aller Religionen - auch für die Muslime und das Minarett ist ja nicht Bestandteil der Religionsausübung. Das Minarett kommt im Koran nirgendwo vor. Es gibt tausende von Moscheen in arabischen Ländern ohne Minarett. Das ist vielmehr ein Symbol - eben auch ein politisches Symbol und nicht nur ein religiöses Symbol. Genau darum haben wir das Minarett abgelehnt.
Hohe Türme an Gotteshäuser sind also nur erlaubt, wenn die Türme in den entsprechenden "heiligen" Texten erwähnt werden. Wow, sind die Wände bei Reimann durchsichtig und, wow, hat der viele und große Steine...
Deutschlandradio: Aber die Mehrheit eine Landes bestimmt - dass sehen Sie ja jetzt so - wie ein Gotteshaus in der Architektur auszusehen hat.

Reimann: Nein, wir bestimmen einfach, dass wir keine Minarette in der Schweiz wollen und auch schlussendlich dann den Muezzin nicht, der den Ausruf macht. Die Schweiz ist ja ein sehr multikulturelles Land mit einem hohem Ausländeranteil und da ist es ganz entscheidend, dass es klare Regeln gibt: Unter welchen Bedingungen man zusammenleben will.
Niemand hat die Absicht zu bestimmen wie Gotteshäuser auszusehen haben. Nur rund dürfen die Türme nicht sein und das muss auch jeder wissen, weil die Gesellschaft sonst im Chaos versinkt. Eckig! Hört Ihr? Eckig!



* Das hat Reimann wirklich so gesagt. Wortwörtlich! Ehrlich! Prüft es selbst nach!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Logische Fehlschlüsse (8) - Argument von der eingeschränkten Vorstellungskraft

Beschreibung: Eine These wird mit der persönlichen, beschränkten Vorstellungskraft widerlegt.

Logische Struktur: Außer "A kann ich mir nicht vorstellen" eigentlich keine.

Beispiel: "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich alles Leben aus einer Zelle entwickelt haben soll." oder "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Menschen eines Tages fliegen werden."

Es sollte wohl klar sein, dass die Grenzen des individuellen Vorstellungsvermögens keinerlei Aussagekraft über den Wahrheitsgehalt einer These besitzen. So kann auch ich mir nicht vorstellen, wie ein Photon gleichzeitig durch zwei Spalte fliegen kann - passiert aber trotzdem.

Übrigens möchte ich die Verinnerlichung dieses logischen Fehlschlusses auch explizit dem zwar atheistischen jedoch in Glaubensfragen unbewanderten Leser ans Herz legen. "Ich kann mir die Dreieinigkeit nicht vorstellen" wäre nämlich ein weiteres Beispiel.