Dienstag, 8. Dezember 2009

Ein Märchen über Erkenntnistheorie - Teil Zwei

Am nächsten Tag.

Frau Eule: Seien Sie mir gegrüßt, Herr Fuchs!

Herr Fuchs: Einen wunderschönen Tag, Frau Eule.

Frau Eule: Was treibt sie denn heute zu meinem Baum?

Herr Fuchs: Wie jeden Tag, Frau Eule, möchte ich an Ihren tiefgründigen Einsichten teilhaben - auch wenn mein Verstand natürlich zu klein ist, um diese in ihrer vollen Pracht wertschätzen zu können.

Frau Eule: Oh. Aha. Das hört man gerne.

Herr Fuchs: Wie geht es mit dem Beweis des Beweises von Eins plus Eins gleich Zwei voran?

Frau Eule: Welch Zufall, dass Sie mich gerade danach fragen. Sie werden es nicht fassen, Herr Fuchs. Ich habe es geschafft. Der Beweis ist bewiesen und endlich ist aller Zweifel ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei. Immer und überall und im ganzem Universum. Heureka!

Herr Fuchs: Das ist ja fantastisch, Frau Eule. Wie haben Sie denn diese ungeheurlich schwierige Aufgabe lösen können?

Frau Eule: Oh, mein lieber Freund, das war wirklich nicht einfach. Zu allererst dachte ich, dass ich das Problem mit der bekannten Zahlentheorie knacken könnte. Aber mit dieser hab ich dann unbeabsichtigt und eher zufällig bewiesen, dass man den Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik nicht beweisen kann.

Herr Fuchs: Das klingt ja schrecklich. Wie haben Sie denn einen Ausweg aus dieser Misere gefunden?

Frau Eule: Nun, nachdem ich also die Unbeweisbarkeit des Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik bewiesen habe, war ich schon ganz schön verzweifelt und ehrlich gesagt auch ein wenig erschreckt. Das war ja nun wirklich nicht das, was ich erwartet hatte.

Herr Fuchs: Ja, das kann ich mir vorstellen.

Frau Eule: Aber dann hatte ich die - wie ich trotz meiner weltbekannten Bescheidenheit zugeben muss - bisher genialste Idee meines Lebens. Ich erfinde einfach eine neue und mächtigere Mathematik.

Herr Fuchs: Unglaublich!

Frau Eule: Allerdings, Herr Fuchs, allerdings. Und mit dieser neuen und verbesserte Version der Mathematik - ich nenne sie Supermathematik - konnte ich dann den Beweis des Beweises beweisen.

Herr Fuchs: Nicht zu fassen.

Frau Eule: Aber doch! Nun sind endlich auch die letzten Unsicherheiten vollständig und vollumfänglich ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei (als wenn daran je ein Zweifel bestanden hätte). Das ist bewiesen und sogar der Beweis ist bewiesen.

Herr Fuchs: Das freut mich unendlich das zu hören, Frau Eule. Nach unserem gestrigen Gespräch hatte ich ja schon ein bisschen Angst, dass wir uns bei einer solch fundamentalen Wahrheit wie Eins plus Eins ist Zwei irren könnten. Man stelle sich mal die Auswirkungen vor! Unser gesamtes Wissen wäre doch mit einem Schlag nutzlos. Wenn wir nichtmals mit absoluter Sicherheit wissen könnten, dass Eins plus Eins Zwei ist, was können wir dann überhaupt wissen? Gratulation, Frau Eule!

Frau Eule: Vielen Dank, Herr Fuchs. Sehr gerne geschehen.

Herr Fuchs: Allerdings fällt mir gerade auf...

Frau Eule: Och nee... Sie immer mit Ihren Einwänden, Herr Fuchs.

Frau Fuchs: Nun ja. Wir wollen doch alle Zweifel ausräumen und mit absoluter Sicherheit wissen, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, oder?

Frau Eule: Aber natürlich, Herr Fuchs. Genau das habe ich doch in der letzten Nacht geschafft.

Herr Fuchs: Hmm... Müssten man nicht auch ihren Beweis des Beweises, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, beweisen?

Frau Eule (erschüttert): Du meine Güte! ...Sie haben Recht. Lassen Sie mich mal sehen... Man kann sicherlich erwarten, dass die Supermathematik nicht mächtig genug sein wird, um die Supermathematik zu beweisen. Das heisst also man bräuchte eine Supersupermathematik...

Herr Fuchs: Na, dann will ich Sie lieber nicht weiter stören. Auf Wiedersehen,Frau Eule!

Frau Eule (tief in Gedanken versunken): Oh?... ja... Auf wiedersehen... Nein, eine Supersupermathematik reicht auch nicht. Darauf ließe sich ja wieder die Fuchssche Argumentationsstrategie anwenden... Ha! Ich habs. Man braucht einfach eine Hypermathematik, mit der man all diese Probleme auf einen Schlag... also erschlagen kann...

Verschmitzt grinsend verschwindet der Fuchs im Wald.

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