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Mittwoch, 17. August 2011

Logische Fehlschlüsse (17) - Falsche Äquivokation

Beschreibung: In einer Argumentation wird dasselbe Wort auf unredliche Weise in zwei verschiedenen Bedeutungen benutzt.

Logische Struktur: Aus X (Bedeutung A) folgt C. Aus X (Bedeutung B) folgt D. Deswegen: Aus A folgt D.

Beispiele: "Wissen ist Macht. Macht verdirbt. Deswegen: Wissen verdirbt."

Hier wird das Wort "Macht" einmal im Sinne von "Nützlichkeit des Wissens" und ein andermal im Sinne von "Kontrolle über Menschen" benutzt.

"Jeder muss doch etwas glauben und ich glaube eben Gott."

Das Wort "Glaube" erfreut sich an einer besonders großen Zahl an verschiedenen Bedeutungen. So kann mit diesem "vermuten", "für wahr halten", "vertrauen", "erwarten", "einbilden", "ernst nehmen" usw. gemeint sein. Im obigen Beispiel wird "Glaube" sowohl im Sinne von "für wahr halten" als auch im Sinne von "vertrauen" benutzt.

"Das Gesetz [PID] läuft nun entweder darauf hinaus, dass [...] die Biologie nicht mehr anerkannt wird, oder aber dass die Menschenwürde keine prinzipielle Universalität mehr genießt."

In dieser alten Diskussion auf dem Atheist Media Blog benutzt der gute Epigonias das Wort "Mensch" in zwei verschiedenen Bedeutungen: Einmal als biologische Bezeichnung eines Lebewesen und einmal als Träger der Menschenwürde. Es ist aber genau der zweite Punkt, der strittig ist und damit trägt das biologische Argument so zumindestens nicht.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Logische Fehlschlüsse (16) - Argument von der Wiederholung

Beschreibung: Eine Behauptung wird so häufig wiederholt, dass diese als wahr akzeptiert wird.

Logische Struktur: A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr. A ist wahr.

Beispiele: Nehmen wir doch als Beispiel die behauptete Unverzichtbarkeit  der Kirche/Religion für unsere Gesellschaft.
"Ich sehe auch nicht ein, warum wir unser bewährtes System aufgeben sollten, das ohnehin ganz andere Möglichkeiten für das Wirken der Kirche in Deutschland und für die Hilfe in anderen, gerade den armen Ländern eröffnet. Bisher hat noch niemand zeigen können, wie er die unweigerliche Schließung von kirchlichen Einrichtungen und Hilfeleistungen, den Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen und den Schaden für die Gesamtgesellschaft verantworten könnte."
- Bischof Müller, Quelle: hpd.de
"Das Diakonische Werk und seine karitativen Einrichtungen sind wichtige Pfeiler der sozialen Infrastruktur in Deutschland. Die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte der Diakonie tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei."
- (sinngemäß) Bundeskanzerlin Angela Merkel, Quelle: domradio.de
"Mit der Kirchensteuer trägt die Kirche zum Wohlergehen der Menschen in Staat und Gesellschaft bei. Die Kirche verwendet die Steuer zum Beispiel für Kindertagesstätten und Schulen, durch die der Staat entlastet wird. Die Gesellschaft lebt zu einem nicht unerheblichen Teil auch von der Kirchensteuer."
- (sinngemäß) Kardinal Lehman, Quelle: domradio.de
"Obwohl ich nicht religiös bin, fürchte ich also eine gottlose Gesellschaft nicht weniger als jene, die religiös gebunden sind"
- Gregor Gysi, Quelle: kath.net

Donnerstag, 6. Januar 2011

Der kürzeste logische Fehlschluss

"Das ist doch normal!"
Die Frage an meine Leserschaft ist nun: Welcher logischer Fehlschluss ist das?

Freitag, 31. Dezember 2010

Spaemann: Meister der logischen Fehlschlüsse


Robert Spaemann, deutscher Philosoph und Theologe, erfreut sich auch weiterhin einer großen Beliebtheit in der christlichen Apologetik-Community, die ich auch mit viel gutem Willen nicht nachvollziehen kann. Dieser selbsternannte Verteidiger des halluzinierten Naturrechts, welches übrigens rein zufällig mit seiner eigenen Meinung identisch ist, gab der katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur "Die Tagespost" ein ausführliches Interview.

Ich möchte mir nur ein Zitat herauspicken und auseinandernehmen. Man zähle die logischen Fehlschlüsse:
Tagespost: Warum muss man die Aufklärung vor sich selbst in Schutz nehmen? Ihrem Selbstverständnis nach ist sie doch der Mut, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Sie sollte also ganz gut alleine zurechtkommen ...
Spaemann: Der erste, der das sah, war Nietzsche. Nietzsche schreibt einmal, dass die Aufklärung letzten Endes zum Atheismus führe. Wenn aber dieses Ziel erreicht wird, wird die Aufklärung selbst sinnlos, denn sie bringt eine Voraussetzung mit, die sie vom Christentum geerbt hat, nämlich dass es Wahrheit gibt und – wie Nietzsche sagt – dass die Wahrheit göttlich ist. Wenn es Gott nicht gibt, sagte Nietzsche, dann gibt es keine Wahrheit, dann gibt es nur die individuellen Perspektiven jedes Menschen auf die Welt, und die Frage nach einer wahren Perspektive stellt sich nicht, denn das wäre die Perspektive Gottes. Wenn dem aber so ist, folgt daraus, dass das ganze Geschäft der Aufklärung rückblickend sinnlos war.
Quelle: die-tagespost.de
Ich komme auf insgesamt sechs Fehlschlüsse.

Erstens: Chewbacca-Verteidigung. Diese habe ich definiert als eine Argumentation, die von so vielen logischen Fehlschlüssen durchsetzt ist, dass eine Entwirrung der einzelnen auch unter größtmöglicher Anstrengung nicht mehr möglich ist. Ich möchte es aber trotzdem versuchen.

Zweitens: Strohmann-Argument. "Die Aufklärung basiert darauf, dass Wahrheit göttlich ist." Ehm. Nein.

Drittens: Argument von der Autorität. Spaemann setzt seine Argumentation eben nicht nur in den historischen Kontext ("Nietzsche war der erste"), sondern übernimmt Nietzsches Behauptungen unreflektiert ("wie Nietzsche sagt").

Viertens: Unbewiesene Behauptung (noch nicht in meine Liste aufgenommen). "Wahrheit kann nur göttlich sein." Auf dieser bloßen Behauptung stützt sich Spaemanns gesamte Argumentation. Der Sinn einer Argumentation sollte es aber sein, Strittiges auf weniger Strittiges zurückzuführen. Spaemann macht genau das Gegenteil.

Fünftens: Ein glatter Widerspruch in sich. "Nur Gott kann die Wahrheit kennen." Hier benutzt Spaemann die bei Apologeten allzu beliebte Lücke in der Erkenntnistheorie: "Ich weiß nichts mit absoluter Sicherheit, außer dass ich existiere." Diese Lücke basiert allerdings nicht auf der Unvollständigkeit des Wissens, sondern wird von der Subjektivität des Erkenntnisgewinns verursacht. Selbst wenn der personale Gott also allwissend wäre (eine weitere unbewiesene Behauptung), dann hätte auch er keinen Zugriff auf die absolute Wahrheit, eben weil er ein Individuum wäre. Entweder ist Gott also personal oder es hat Zugang zur Wahrheit im Spaemannschen Sinne.

Sechstens: Falsche Dichotomie. "Wenn es nicht die göttliche Wahrheit gibt, dann bleibt nur die subjektive Perspektive der Menschen übrig." Und hier "vergisst" Spaemann intersubjektive Wahrheiten, also Wahrheiten die für mehrere Individuen gleichermaßen erkennbar sind. Zufällig basiert die Naturwissenschaft auf eben diesem Wahrheitsbegriff und Spaemann ignoriert schlicht diese ihm so verhasste Methode zum Erkenntnisgewinn.

Ausserdem tritt Spaemann dann noch gegen Homosexuelle:
Ein Mensch, dem die natürliche Anziehung durch das andere Geschlecht fehlt, kann in vieler Hinsicht ein edler und guter Mensch sein. Das ändert aber nichts daran, dass durch das Fehlen heterosexueller Attraktion ihm etwas Wichtiges fehlt.
Was soll man dazu noch sagen?

Samstag, 2. Oktober 2010

Logische Fehlschlüsse (15) - Argument vom dummen Spruch

Beschreibung: Es wird versucht, eine These mit einem mehr oder minder sinnigen Spruch zu verteidigen.

Logische Struktur: A ist wahr, weil <dummer Spruch X>

Beispiel: Das Argument vom dummen Spruch gehört nicht gerade zum üblichen Kanon logischer Fehlschlüsse. Doch dank der exzessiven Benutzung eben dieser fühle ich mich verpflichtet, den dummen Spruch als eigene Kategorie unter den Fehlschlüssen zu etablieren.

Das wirklich tückische am dummen Spruch ist, dass man normalerweise gut zehnmal länger für seine Widerlegung als für das Aussprechen braucht. Deswegen möchte ich einige der Bekanntesten im Folgenden auflisten und kurze Widerlegungen vorschlagen. 

Alles ist möglich.
- Ist es auch möglich, dass Alles unmöglich ist?
(Tipp: All-Aussagen immer auf sich selbst beziehen.)

Wir wissen nichts mit absoluter Sicherheit.
- Wissen wir denn mit absoluter Sicherheit, dass wir nichts mit absoluter Sicherheit wissen?
(Tipp: Sich danach auf das Argument von der unbegründeten Ausnahme gefasst machen.)

Man kann mit einem Netz keine Fische fangen, die kleiner als die Maschen sind.
- Also macht man am besten die Maschen kleiner. 
(Meistens wird mit diesem Spruch versucht, die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnisfähigkeit zu verdeutlichen. Das wäre dann eine falsche Analogie.)

Wir sind mehr als die Summe unserer Teile.
- Die Summe seiner Teile wäre auch nur eine adäquate Beschreibung für einen Sack Kartoffeln. Wir sind die Summe unserer Teile plus deren Wechselwirkung. 

Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
(Ein kleines reductio ad Hitlerum kann manchmal nicht schaden. Gibt's auch Godwinpunkte für!)

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als man weiß.
- Woher weißt Du das?
(Tipp: Sich danach auf das Argument aus Ignoranz gefasst machen. Viel ausführlicher wird dieses verhunzte Zitat aus Hamlet auf Buchstaeblich seltsam besprochen. Mit Dank an not-me für den Hinweis.) 

Dienstag, 28. September 2010

Transzendente Unsinnigkeit


Ein r/atheism Fundstück

Dienstag, 22. Juni 2010

Ich denke, dass ich denke, dass ich bin

Als ich vor einigen Monaten, die Frage, was man mit absoluter Sicherheit und ohne Annahmen wissen könne, mit nichts beantwortet habe, musste ich eine Ausnahme machen: Das Wissen um die eigene Existenz. Tatsächlich kann sich nämlich jeder leicht beweisen, dass zumindestens er/sie/es selbst existiert. Dafür muss man dem wohlbekannten und daher etwas ausgetretenen Pfad folgen, den der französische Philosoph Rene Descartes bereits 1641 in das Unterholz des Unwissens geschlagen hat.

Im Anfang steht der Zweifel

Die einzige Methode, die wir als Individuen zur Verfügung haben, um etwas über die Welt zu erfahren, ist es, sich den Sinnen zu bedienen. Wir können uns allerdings leicht davon überzeugen, dass unsere Sinne alles andere als perfekt arbeiten. So sehen wir Gesichter in Wolken, wo keine sind. Nehmen gleichhelle Quadrate als unterschiedlich hell wahr und können uns nicht wirklich entscheiden, in welche Richtung sich eine aufreizende Ballerina dreht. Eine gesunde Portion Zweifel scheint angebracht zu sein.

Könnten aber nicht auch unsere gesamten Sinneneindrücke eine Illusion sein? Vielleicht leben wir ja wirklich in der Matrix und sind aber eigentlich Gehirne, die, mit einem Computer verkabelt, in großen Marmeladen herumschwimmen. Gibt es da draussen überhaupt eine Welt? Gibt es überhaupt ein da-draussen? Und wenn wir schon beim Zweifeln sind, können wir uns überhaupt sicher sein, dass die eigenen Gedanken und somit wir selbst existieren?

Sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es kann allerdings nicht daran gezweifelt werden, dass der Zweifel existiert. Wenn der Zweifel existiert, dann muss auch etwas existieren, dass zweifelt. Genau dieses zweifelnde Etwas, nennt man ich. Selbst wenn man so verrückt sein sollte, an der Existenz des Zweifels zu zweifeln, so muss es wieder etwas geben, dass den Zweifel bezweifelt. Man sieht also, dass man es mit dem Zweifeln beliebig fort treiben kann, irgendetwas - nämlich das, was zweifelt - wird immer übrig bleiben. 

Ich zweifel, also bin ich.

Wer zweifelt denkt

Damit haben wir also festgestellt, dass der Zweifel und das Ich mit absoluter Sicherheit existieren. Es taucht allerdings die Frage auf, mit welchem Werkzeugen das Ich, überhaupt zu dieser Erkenntnis gekommen ist. Die Antwort lautet: Logik und Gedanken. Logik ist das methodische (erkenntnistheoretische) Werkzeug dieses Gedankengangs, während die eigenen Gedanken, notwendige Voraussetzung für die Realisierung des Gedankengangs darstellen.

Ich zweifel, also denk ich. Ich zweifel, also bin ich. Deswegen: Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich.

Subjektivität dieser Erkenntnis

Ich hoffe, dass bereits jetzt klar sein sollte, warum diese Erkenntnis rein subjektiver Natur ist. Der obige Einwand, dass man in einer Computersimulation leben könnte, in der eben auch alle anderen Menschen nur simuliert wären, gilt auch weiterhin. Deswegen habe ich das Wissen um die eigene Existenz mit introperspektivisch bezeichnet. Es kann mir nämlich niemand mit der gleichen absoluten Sicherheit beweisen, dass er/sie/es existiert.

Diese Überlegung führt übrigens zu einer recht absurden Vorstellung, die aber trotzdem von vermutlich allen Menschen geteilt wird. Jedes Mensch kann sich selbst beweisen, dass er existiert - aber keinem anderem.

Solipsisten sind so einsam

Nun gibt es tatsächlich eine philosophische Strömung, die im Erkenntnisprozess nach diesem ersten Schritt in ängstlicher Starre stehen bleibt und sich Solipsismus (lat. für etwa: ich existiere allein) nennt. Der Solipsist akzeptiert nur, was er mit absoluter Sicherheit wissen kann und lehnt alle anderen Erkenntnisse als unzureichend begründet ab. Das einzige, was man nun mit absoluter Sicherheit wissen kann, ist - wie dargelegt - die eigene Existenz.

Genau diese einsame Gestalten möchte ich benutzen, um den vorgelegten Lernstoff in Witzform zu überprüfen.
Treffen sich zwei Philosophen auf einer Konferenz. Einer stellt sich mit den Worten vor: "Guten Tag, ich bin Solpsist." Der andere erwidert: "So ein Zufall. Ich auch! Es ist so selten, dass man anderen Solipsisten begegnet!"
Verstehste, Alda?

Sonntag, 3. Januar 2010

Erklärung der Welt erklärt



In diesem Vortrag erklärt der bekannte Professor für Quanten David Deutsch die Welt - mal wieder.

Mittlerweile sollte sich ja herumgesprochen haben, dass eine Hypothese falsifizierbar sein muss, um wissenschaftlich und damit überhaupt von Belang zu sein. Deutsch weist nun darauf hin, dass die bloße Falsifizierbarkeit einer Hypothese nur ein Standbein ist. Das zweite Bein soll die Auswirkung kleiner Variationen einzelner Elemente der Hypothese sein.

Um das zu zeigen, stellt Deutsch zwei Erklärungen für Jahreszeiten gegenüber. Zum einen die Erklärung der alten Griechen, welche besagt, dass Winter herrscht, wenn Persephone in der Unterwelt residiert und Sommer, wenn Persephone bei ihrer Mutter lebt. Diese Erklärung für die Jahreszeiten ist tatsächlich falsifizerbar, denn die Jahreszeiten müssten sich nach dieser Erklärung auf der Nord- und Südhalbkugel im Gleichklang befinden. Nun konnten die Griechen kaum wissen, wie das Wetter gerade in Australien ist.

Trotz der prinzipiellen Falsifizierbarkeit ist diese Erklärung eine schlechte, weil man die Details einfach variieren kann, ohne dass sich die meßbaren Auswirkungen groß ändern. So könnte nicht Persephone für die Jahreszeiten zuständig sein, sondern ihr Gatte Hades, der jedesmal zornig wird, wenn Persephone nicht da ist, um den Hausputz zu erledigen und mit seinem Zorn die Erde erwärmt. Oder Persephone könnte im Erdinneren hin und her wandern und da, wo sie ist, Sommer verbreiten. Oder oder oder...

Dahingegen folgen aus einer Variation der Details der wissenschafltichen Erklärung starke und meßbare Auswirkungen. Wenn die Erdachse nicht um die berühmten 23,44° geneigt wäre sondern um bloße 5°, dann wären die saisonalen Temperaturunterschiede wesentlich kleiner, wenn überhaupt vorhanden. Kleine Variationen in den Details führen zu hypothetisch großen Unterschieden. Und genau darin liegt die Stärke der wissenschaftlichen Erklärung.


 
Zum Schmunzel brachte mich Deutsch bei Minute 8, als er die Belege für die allgemeine Relativitätstheorie, der Evoltutionstheorie und der Viele-Theorie-Interpretation der Quantenmechanik gleichberechtigt nebeneinander stellt. An dieser Stelle sollte man vielleicht Deutschs eigenem Ratschlag folgen: nullius in verba - nehmt ihn nicht beim Wort!



Übrigens ist TED eine der besten Quellen für Voträge auf höchstem inhaltlichen und trotzdem verständlichen Niveau. Schon so einige Vorträge haben mich zum Nach- und sogar zum Umdenken gebracht. Oder lasst es mich mal so ausdrücken: Glaubst Du noch an Entwicklungsländer?

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Von der Unfreiheit des Willens

"Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will!" Schopenhauers Wort von der Unfreiheit des Willen, begleitet mich in allen Lebenslagen und bewahrt mich davor, den Menschen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.

- Albert Einstein


Ausgelöst vom Feuerbringer* von Nic in seinem Bloghaus geistert zur Zeit eine Debatte über den freien Willen durch die deutschsprachigen Atheistenblogs. Wobei geistern durchaus wortwörtlich gemeint ist. Nahm ich doch bisher an, dass niemand, der sich etwas ausführlicher mit der Frage beschäftigt hat, weiterhin an den freien Willen glauben könnte. Weit gefehlt.

Interessanterweise erinnert die Diskussion ein wenig in Form und Inhalt an die weitbekannten Debatten mit Gläubigen. Offenbar sind auch meine Mitungläubigen nicht vor der Benutzung von logischen Fehlschlüssen und inhaltsleeren Aussagen gefeit. Nicht, dass ich diesbezüglich makellos wäre...

Wie der Leser vermutlich bereits befürchtet, möchte ich hiermit meinen Senf zur Diskussion präsentieren. Dabei habe ich mich bemüht, diesen Artikel möglichst allgemein verständlich zu schreiben. Mir geht es nämlich arg auf den Keks, wenn man Absätze einiger Diskussionsteilnehmer wieder und wieder lesen muss, bevor man auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was mit den vielen langen Sätzen, um nicht zu sagen Bandwurmsätzen, die sich mitunter auch und gerade über mehr als fünf Zeilen erstrecken, so dass man in der Mitte aber doch wohl spätestens am Ende des Satzes schon vergessen hat, worüber gesprochen wird bzw. werden sollte, soweit man überhaupt davon ausgeht, dass etwas gesagt bzw. gesagt werden sollte, wohl ausgedrückt werden sollte. Beginnen wir also mit drei Definitionen.

Wille: Mit Wille ist ziemlich genau das gemeint, was man sich im allgemeinen drunter vorstellt und sich in der Aussage "Ich will Schokolade" wiederspiegelt. Etwas umschreibend gesagt, ist der Wille der Wunsch, das Begehren, die Absicht oder die Intention eine bestimmte Handlung auszuführen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Handlungsfreiheit: Die Freiheit zu tun, was man will. Damit ist bloß die Freiheit gemeint, Handlungen auszuführen, die dem eigenen Willen entsprechen. Wenn ich zum Beispiel Lust auf Schokolade verspüre, kann ich Schokolade essen, soweit diese vorhanden ist. Handlungsfreiheit ist also dann gegeben, wenn sich die Handlung mit dem Wunsch deckt. So weit, so trivial.

Willensfreiheit: Die Freiheit zu wollen, was man will. Das klingt dem ersten Augenschein nach unglaublich mysteriös, sagt aber nicht mehr aus, als das man die Fähigkeit hat, selbst zu entscheiden, was man will. Ich kann also nicht nur Schokolade essen, wenn ich Lust drauf habe. Ich soll auch noch die Fähigkeit haben zu entscheiden, wann ich Lust auf Schokolade habe.

Aber gibt es den freien Willen? Kann ich mich just in diesem Augenblick entscheiden, Lust auf Schokolade zu haben? Ich weiß nicht, wie es da meinem verehrten Leser geht, aber bei mir will das nicht so richtig klappen. Mir ist eher nach Zimtsternen...

In bester Tradition Einsteins möchte ich mich der Beantwortung dieser weltunbewegenden Frage mit einem Gedankenexperiment nähern. Dazu setzen wir ersteinmal Handlungsfreiheit vorraus, packen zweiteinmal meinen eventuell sogar freien Willen in eine black box und setzen mich drittens vor die Wahl zwischen Schokolade und Zimtsternen. Dank der Trivialvorraussetzung der Handlungsfreiheit ist meine nach außen sichtbare Entscheidung für eine der angebotenen Süßigkeiten offenbar ein eindeutiger Hinweis auf den Inhalt meines Wollens.

Wie es sich für einen ordentlichen Gedankenexperimentator gehört, wiederholen wir das Experiment unendlich oft, wobei die Startkonditionen jedesmal dieselben sein sollen. Dazu kopieren wir einfach das Ausgangsuniversum samt seines kompletten geschichtlichen Ablaufs bis zum Zeitpunkt meiner Naschentscheidung.

Nun gibt es zwei prinzipielle Resultate. Entweder entscheide ich mich in allen Alternativuniversum gleich (zum Beispiel für Zimtsterne) oder ich entscheide mich mal für Schokolade und mal für Zimtsterne. Mein Wille und damit meine Entscheidung kann also entweder deterministisch (festgelegt) oder indetermistisch (nicht festgelegt) sein.

Determinismus: In einem deterministischen Universum sind alle zukünftigen Ereignisse durch vergangene eindeutig festgelegt. Wenn ich mich also in jedem der Alternativuniversen für Zimtsterne entscheide, dann deckt sich dieses Ergebnis mit den Erwartungen an ein deterministisches Universum. Offensichtlich ist in einem solchen Universum meine Entscheidung und damit auch mein Wille festgelegt und kann von mir auch nicht beeinflusst werden. Ist der Determinismus wahr, so gibt es keine Willensfreiheit.

Indeterminismus: Verwundlicherweise ist das indeterministische Universum das Gegenteil eines deterministischen Universums. Zukünftige Eregnisse sind also nicht durch vergangene eindeutig festgelegt. Stattdessen kann man allen Ereignissen eine bestimmte Realisierungs-Wahrscheinlichkeit zuordnen und damit kommt der Zufall ins Spiel. In einem solchem Universum würde ich Leben, wenn ich mich mal für Schokolade und mal für Zimtsterne entschiede.

Kann man aber beim Indeterminismus wirklich von Willensfreiheit reden? Wenn mein Wille und der Wille zur Veränderung des Willens allein auf Grund eines Zufalls zustande kommt (das Neuron feuert oder es lässt es eben bleiben) und ich selbst keinen Einfluss auf diesen Zufall habe (Neuron 23xf.6654-II bitte mit einer Wahrscheinlichkeit von 32% feuern!), was bleibt dann noch von meinem freien Willen übrig? Reiner Zufall und Willensfreiheit vertragen sich nicht und deswegen gilt: Ist der Indeterminismus wahr, so gibt es keine Willensfreiheit.

Schluss: Der freie Wille ist tot! Es lebe seine Illusion!



Der letzte Strohhalm: Da die ehrenswerten Leser dieses Blogs sicherlich zur geistigen Elite der Welt gehören, bin ich zuversichtlich, dass jeder die folgende Frage wird beantworten können. Welchen logischen Fehlschluss habe ich in diesem Artikel benutzt? Die Antwort lautet natürlich: die (eventuell) falsche Dichotomie.

Als ich den Indeterminismus mit dem Zufall gleichgesetzt habe, habe ich implizit eine (eventuell) falsche Dichotomie konstruiert, nämlich die zwischen "alles ist festgelegt" und "alles ist zufällig". Wenn jemand weiterhin an die Willensfreiheit glaubt, muss er genau hier ansetzen. Dieser jemand müsste zeigen, dass es in einem indeterministischen Universum etwas anderes als Zufall gibt. Im Prinzip müsste er eine neue Art von Mathematik erfinden, die weder deterministisch noch mit dem Zufall arbeitet. Ich wünsche allen, die sich auch weiterhin verzweifelt an die Willensfreiheit klammern, viel Spaß bei dieser Aufgabe!



* In der ersten Version dieses Artikels hatte ich behauptet, dass der Feuerbinger die Diskussion über den freien Willen angestoßen hat. Diese Information ist falsch und es soll Ehre bekommen, dem Ehre gebührt. All hail to nicsbloghaus!

Freitag, 11. Dezember 2009

Wissen, Glaube und ein bisschen Erkenntnistheorie

Der Akzeptiker©: Weißt Du, wie spät es ist?
Der Schmoller: Du meinst wohl "glaubst Du, wie spät es ist"!


Was können wir wirklich mit absoluter und hundertprozentiger Sicherheit wissen? Wer noch nie über diese Frage gestolpert ist, könnte durchaus von der Antwort überrascht sein. Die Antwort lautet nämlich: Nichts.

(Wobei ich hier das introperspektivische Wissen um die eigene Existenz nach Descartes ausschließen möchte, da dieses per Definition nicht nach außen demonstrierbar ist.)

Ich hoffe, dass ich mit meinem Märchen über die Erkenntnistheorie den Leser soweit vorbereitet habe, dass die Einsicht leicht fällt. Wenn man eine Aussage bewiesen hat, kann man sich trotzdem nicht absolut sicher sein, dass diese Aussage auch stimmt. Es könnte sich ja ein Fehler in den Beweis eingeschlichen haben oder die Beweismethode an sich könnte irgendwie unvollkommen sein. Das heißt also, dass man den Beweis beweisen muss. Und den Beweis des Beweises des Beweises. Und so weiter und so fort...

Ehrlich gesagt, empfinde ich diese Erkenntnis als höchst trivial und sie kann wohl nur deswegen schockieren, weil sie unseren naiven Erwartungen zuwiderläuft. Wenigstens in der Mathemtik, so könnte man hoffen, sollte doch alles auf einer unanfechtbaren Basis stehen. Von wegen...

Im allgemeinen kann man die Reaktionen auf diese erschütternde Erkenntnis in zwei Kategorien einteilen. Da gibt es zum einen den Schmoller und zum anderen den Akzeptiker©.

Der Schmoller: Echtes Wissen ist prinzipiell unerreichbar und existiert daher nicht. Das, was man im allgemeinen Wissen nennt, ist also bloß ein Glaube. Da alle Glaubensinhalte auf einer ähnlichen, nämlich letzendlich wackligen Basis stehen, sind diese auch in ihrer Rationalität gleichwertig und vernünftig. Somit ist kein Glaube besser als der andere.

Ich hoffe, dass die Probleme dieses Standpunkts, den viele Gläubige mit den Postmodernisten teilen, offensichtlich sind.

Zu allererst sollte klar sein, dass Glaubensinhalte vollkommen beliebig werden und unabhängig von ihrer eigenen Absurdität gleichwertig nebeneinanderstehen. Der "Glaube" an den Materialismus ist genauso vernünftig wie der Glaube an einen Gott, welcher genauso vernünftig ist wie der der Glaube an die Heilwirkung von schlichtem Wasser (i.A. als Homöopathie bekannt), welcher genauso vernünftig ist wie der Glaube an Feen und Kobolde, welcher genauso vernünftig ist wie der Glaube an den Käsemond, welcher genauso vernünftig ist wie die Überzeugung der wiedergeborene Napoleon zu sein, welche genauso vernünftig ist wie die Überzeugung fliegen zu können und vom Dach zu springen.

Desweiteren kann man leicht zeigen, dass man die Wörter "Wissen" und "Glaube" nicht mehr sinnvollerweise einsetzen kann. Stellen wir uns dazu einfach Wissen und Glaube als zwei Töpfe vor und sortieren in diese alle Erkenntnisse. Offenbar müssen für den Schmoller alle Erkenntnisse in den Glaubenstopf einsortiert werden, während der Wissenstopf leer bleibt. Wozu sollten wir aber dann überhaupt sortieren und wozu bräuchten wir noch die Töpfe? Oder anders ausgedrückt: Wozu bräuchten wir überhaupt die Wörter "Wissen", wenn dieses auf gar nichts anwendbar ist, und "Glauben", wenn dieses auf alles anwendbar ist?

Ausserdem - und hier wird es wunderbar selbstbezüglich - gehört doch die Aussage, dass wir nichts wirklich wissen können, in den Glaubenstopf, oder? Der Schmoller glaubt also nur, dass wir nichts wissen können. Er kann sich ja noch nicht einmal hundertprozentig sicher sein, dass seine Sortierung in die Kategorien Wissen und Glauben richtig ist. Damit löst sich die Bedeutung der beiden Wörter vollkommen auf und der Schmoller verabschiedet sich von aller sinnvollen Diskussion.

Der Akzeptiker©: Wissen im absoluten Sinne ist prinzipiell unerreichbar und existiert daher für uns nicht. Auch wenn diese Erkenntnis unsere naiven Erwartungen entäuscht, so müssen wir das akzeptieren. Damit wir die Wörter "Wissen" und "Glaube" noch in einer sinnvollen Art und Weise benutzen können, müssen wir sie offensichtlich anders definieren als es uns unsere Intuition suggeriert und wir es gerne hätten.

In die Kategorie Wissen gehört alle Erkenntnis, die vernünftigerweise nicht angezweifelt werden kann. Dabei soll vernünftig als das angesehen werden, was demonstrierbar und prinzipiell objektivierbar mit der Realität korrespondiert. Eins plus Eins ist Zwei, weil die Wörter so definiert sind, dass diese Aussage wahr wird. Die Gravitationskraft existiert, weil wir diese messen können und messen. Die Evolutionstheorie ist die mit Abstand beste Erklärung für die Vielfalt der Arten, weil ihre Vorhersagen immer und immer wieder bestätigt worden sind. In die Kategorie Glaube gehören alle Aussagen, die (evtl. noch) nicht unter Wissen abzuheften sind.



© Alle Rechte an dem Wort "Akzeptiker" liegen bei der Blogkugel. Der Gebrauch dieses Wortes ist ausdücklich nur ohne Genehmigung erlaubt.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ein Märchen über Erkenntnistheorie - Teil Zwei

Am nächsten Tag.

Frau Eule: Seien Sie mir gegrüßt, Herr Fuchs!

Herr Fuchs: Einen wunderschönen Tag, Frau Eule.

Frau Eule: Was treibt sie denn heute zu meinem Baum?

Herr Fuchs: Wie jeden Tag, Frau Eule, möchte ich an Ihren tiefgründigen Einsichten teilhaben - auch wenn mein Verstand natürlich zu klein ist, um diese in ihrer vollen Pracht wertschätzen zu können.

Frau Eule: Oh. Aha. Das hört man gerne.

Herr Fuchs: Wie geht es mit dem Beweis des Beweises von Eins plus Eins gleich Zwei voran?

Frau Eule: Welch Zufall, dass Sie mich gerade danach fragen. Sie werden es nicht fassen, Herr Fuchs. Ich habe es geschafft. Der Beweis ist bewiesen und endlich ist aller Zweifel ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei. Immer und überall und im ganzem Universum. Heureka!

Herr Fuchs: Das ist ja fantastisch, Frau Eule. Wie haben Sie denn diese ungeheurlich schwierige Aufgabe lösen können?

Frau Eule: Oh, mein lieber Freund, das war wirklich nicht einfach. Zu allererst dachte ich, dass ich das Problem mit der bekannten Zahlentheorie knacken könnte. Aber mit dieser hab ich dann unbeabsichtigt und eher zufällig bewiesen, dass man den Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik nicht beweisen kann.

Herr Fuchs: Das klingt ja schrecklich. Wie haben Sie denn einen Ausweg aus dieser Misere gefunden?

Frau Eule: Nun, nachdem ich also die Unbeweisbarkeit des Beweis des Beweises innerhalb der bekannten Mathematik bewiesen habe, war ich schon ganz schön verzweifelt und ehrlich gesagt auch ein wenig erschreckt. Das war ja nun wirklich nicht das, was ich erwartet hatte.

Herr Fuchs: Ja, das kann ich mir vorstellen.

Frau Eule: Aber dann hatte ich die - wie ich trotz meiner weltbekannten Bescheidenheit zugeben muss - bisher genialste Idee meines Lebens. Ich erfinde einfach eine neue und mächtigere Mathematik.

Herr Fuchs: Unglaublich!

Frau Eule: Allerdings, Herr Fuchs, allerdings. Und mit dieser neuen und verbesserte Version der Mathematik - ich nenne sie Supermathematik - konnte ich dann den Beweis des Beweises beweisen.

Herr Fuchs: Nicht zu fassen.

Frau Eule: Aber doch! Nun sind endlich auch die letzten Unsicherheiten vollständig und vollumfänglich ausgeräumt. Eins plus Eins ist Zwei (als wenn daran je ein Zweifel bestanden hätte). Das ist bewiesen und sogar der Beweis ist bewiesen.

Herr Fuchs: Das freut mich unendlich das zu hören, Frau Eule. Nach unserem gestrigen Gespräch hatte ich ja schon ein bisschen Angst, dass wir uns bei einer solch fundamentalen Wahrheit wie Eins plus Eins ist Zwei irren könnten. Man stelle sich mal die Auswirkungen vor! Unser gesamtes Wissen wäre doch mit einem Schlag nutzlos. Wenn wir nichtmals mit absoluter Sicherheit wissen könnten, dass Eins plus Eins Zwei ist, was können wir dann überhaupt wissen? Gratulation, Frau Eule!

Frau Eule: Vielen Dank, Herr Fuchs. Sehr gerne geschehen.

Herr Fuchs: Allerdings fällt mir gerade auf...

Frau Eule: Och nee... Sie immer mit Ihren Einwänden, Herr Fuchs.

Frau Fuchs: Nun ja. Wir wollen doch alle Zweifel ausräumen und mit absoluter Sicherheit wissen, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, oder?

Frau Eule: Aber natürlich, Herr Fuchs. Genau das habe ich doch in der letzten Nacht geschafft.

Herr Fuchs: Hmm... Müssten man nicht auch ihren Beweis des Beweises, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist, beweisen?

Frau Eule (erschüttert): Du meine Güte! ...Sie haben Recht. Lassen Sie mich mal sehen... Man kann sicherlich erwarten, dass die Supermathematik nicht mächtig genug sein wird, um die Supermathematik zu beweisen. Das heisst also man bräuchte eine Supersupermathematik...

Herr Fuchs: Na, dann will ich Sie lieber nicht weiter stören. Auf Wiedersehen,Frau Eule!

Frau Eule (tief in Gedanken versunken): Oh?... ja... Auf wiedersehen... Nein, eine Supersupermathematik reicht auch nicht. Darauf ließe sich ja wieder die Fuchssche Argumentationsstrategie anwenden... Ha! Ich habs. Man braucht einfach eine Hypermathematik, mit der man all diese Probleme auf einen Schlag... also erschlagen kann...

Verschmitzt grinsend verschwindet der Fuchs im Wald.

Montag, 7. Dezember 2009

Ein Märchen über Erkenntnistheorie - Teil Eins

Frau Eule: Seien Sie mir gegrüßt, Herr Fuchs.

Herr Fuchs: Einen wunderschönen Guten Tag, Frau Eule.

Frau Eule: Was treibt sie denn heute zu meinem Baum?

Herr Fuchs: Wie jeden Tag, Frau Eule, möchte ich mich von der Sonne ihres unerreichten Intellekts wärmen lassen. Welche erstaunliche Erkenntnis hatten sie denn in der letzten Nacht?

Frau Eule: Ich konnte endlich ein Problem lösen, an dem ich schon lange knabbere.

Herr Fuchs: Dabei muss es sich ja um ein außerordentlich schwieriges Problem handeln. Obwohl ich mit meinem eher durchschnittlichen Verstand sicherlich nicht das Rüstzeug habe, um ihren genialen Ausführungen folgen zu können, möchte ich es doch wagen nachzufragen. Um welches Problem handelt es sich denn?

Frau Eule: Ist Eins plus Eins gleich Zwei.

Herr Fuchs: Aha... Und? ist Eins plus Eins gleich Zwei?

Frau Eule: Natürlich, Herr Fuchs. Stellen Sie sich bitte nicht dümmer als Sie sind. Aber können wir uns auch wirklich sicher sein, dass Eins plus Eins gleich Zwei ist?

Herr Fuchs: Hmmm... Da haben Sie natürlich Recht. Vielleicht prüfe ich das besser nochmal nach. Dahinten sehe ich einen Baum und sie sitzen ja auf einem weiteren. Macht also ein Baum plus noch einen Baum und das ergibt... Moment, ich zähle besser nochmal nach... Eins, Zwei. Ja, macht Zwei. Eins plus Eins macht also Zwei.

Frau Eule: Aber wie können Sie sich da so sicher sein? Können sie mit hunderprozentiger Sicherheit ausschließen, dass Sie sich nicht verzählt haben? Vielleicht hat ja auch ihre Zählmethode ihre Schwächen und vielleicht sind Sie sich diesen noch nicht einmal bewusst! Um wirklich sicher zu sein, dass Eins plus Eins Zwei ergibt, brauchen wir einen Beweis, Herr Fuchs! Einen hundertprozentigen, absolut wasserdichten Beweis!

Herr Fuchs: Und dieser ist Ihnen heute Nacht gelungen?

Frau Eule: Das will ich wohl sagen. Dafür musste ich zwar tief in die Mengentheorie einsteigen - ich will Sie nicht mit den Details belästigen - aber letztendlich und mit größter Anstrengung war ich erfolgreich.

Herr Fuchs: Das ist ja wunderbar. Endlich wissen wir mit absoluter, hundertprozentiger Sicherheit, dass Eins plus Eins Zwei ergibt. Bravo, Frau Eule. Bravo!

Frau Eule: Oh. Vielen Dank, Herr Fuchs. Sie schmeicheln mir.

Herr Fuchs: Allerdings fällt mir da gerade auf...

Frau Eule: Och nee... Sie immer mit Ihren Einwänden, Herr Fuchs.

Herr Fuchs: Nun ja. Das ist mit Sicherheit eine blöde Idee, die ich wohl nur deshalb habe, weil ich ja nicht so gescheit bin wie Sie. Aber wenn wir wirklich zu hundertprozent und ohne jeden Zweifel sicher sein wollen, dass Eins plus Eins Zwei ist, müsste man dann nicht ihren Beweis beweisen?

Frau Eule (perplex): ... Wie meinen Sie?

Herr Fuchs: Nun ja. Es könnte sich doch ein Fehler in ihrem Beweis eingeschlichen haben oder ihre Beweismethode könnte eine Schwäche haben, der Sie sich überhaupt nicht bewusst sind.

Frau Eule: ... hmm.... das stimmt eigentlich. Vielleicht könnte man ja bei der Cantorschen Diagonalmethode ansetzen und auf ein reductio ad absurdum hinarbeiten...

Herr Fuchs: Na, dann störe ich Sie lieber nicht weiter. Auf Wiedersehen, Frau Eule.

Frau Eule (tief in Gedanken versunken): Oh?... ja... Auf wiedersehen. Mal schaun. Wenn man vom strengen TNT ausgeht und die Arithmoquinierung irgendwie auf sich selbst anweden könnte...

Morgen gehts weiter.