Mittwoch, 30. Dezember 2009

Society without God

Sechzehn Monate verbrachte Phil Zuckerman, Soziologie-professor an der Pitzer University, in Dänemark und Schweden, um sich des Studiums eines in der Soziologie sträflich vernachlässigten Themas zu widmen: Der Nichtglaube.

Die beiden skandinavischen Länder gehören zu den ungläubigsten Ländern der Welt. Gerade mal 24% der Dänen und 16% der Schweden glauben an einen personalen Gott. Der Glaube spielt im öffentlichen Leben praktisch keine und in der Politik überhaupt keine Rolle. Doch gleichzeitig erzielen Dänemark und Schweden in Bereichen sozialer Indikatoren regelmäßig Spitzenplätze (bspw. Kriminalitätsrate, Bildung, Gesundheitssystem, Einkommensgerechtigkeit, persönliches Glück). Offenbar braucht eine Gesellschaft keinen Gott, um gut oder ethisch oder glücklich zu sein. Doch warum?

In seinem Buch „Society without God“ berichtet Zuckerman von seinen Forschungsresultaten, die sich zusammen mit offiziellen Statistiken aus seinen 150 geführten Interviews speisen. Das Buch ist allerdings kein trockener Forschungsbericht. Vielmehr benutzt Zuckerman einen sehr persönlich-anekdotischen Stil, in dem er zum Beispiel Auszüge von Interviews wortwörtlich zitiert - leider ohne dabei die vielen „ähms“ und Pausen zu vergessen, was zu mindestens mir ziemlich auf den Keks ging.

Meiner Auffassung nach geht es Zuckerman inhaltlich um folgende Ziele.
  • Widerlegung der bis zum Erbrechen gehörten These, dass eine Gesellschaft Gott bräuchte, um gut zu sein.
  • Gründe für den erstaunlichen Säkularisierungsgrad in den beiden Ländern zu finden (Ich werde in einem späteren Beitrag darauf eingehen).
  •  Aufforderung an Soziologen das Leben der Atheisten und nicht religiösen Menschen zu untersuchen (und damit den Fluss zukünftiger Forschungsgelder zu sichern).
Der Stil des Buches lässt aber noch ein ganz anderes Ziel vermuten. So scheint mir der prägnant persönliche Stil darauf hinzudeuten, dass Zuckerman die dämonisierten, weil atheistischen Mitmenschen dem amerikanischen Durchschnittschristen sympathischer machen möchte.

Einen wirklichen Kritikpunkt an diesem Buch habe ich aber. So behauptet Zuckerman, dass ein  Faktor der nicht vorhandenen Religiosität in Dänemark und Schweden das lange Fehlen äußere Feinde sei, legt aber in einem späteren Kapitel die deutlichen Parallelen zwischen Juden und Skandinavier offen. Zwar sind Gruppen bzgl. ihres starken Säkularisierungsgrades vergleichbar. Aber man kann wohl kaum behaupten, dass sich die Juden in ihrer Vergangenheit über zu wenig Feinde beklagen können. Natürlich lässt sich dieser scheinbare Widerspruch leicht auflösen (äußere Feinde stellen nur ein Faktor unter vielen dar), aber es wäre schön gewesen, wenn Zuckerman wenigstens darauf eingegangen wäre.

Insgesamt empfehle ich die Lektüre dieses Buches gerade den Gläubigen, denen der versöhnliche Schreibstil des Buches sehr entgegen kommen wird.

Zitat zur Wochenmitte

Religion und Heuchelei sind Zwillingsschwestern, und beide sehen sich so ähnlich, dass sie zuweilen nicht voneinander zu unterscheiden sind.

- Heinrich Heine

Dienstag, 29. Dezember 2009

Marien(projektions)wunder

Zur Zeit ist wohl mal wieder ein katholisches Marienwunder nötig, vielleicht gerade in Ägypten um die Muslime dort von der "Wahrheit" zu überzeugen. Aber heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel?



Nehmen denn diese koptischen Christen (die haben witzigerweise einen eigenen Papst) die Bibel wirklich ernst, wenn sie mit solchen offensichtlichen Lügen ihrem Gott die Ehre reichen wollen? So steht doch in Römer 3:

7 Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? 8 Ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen: Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist gerecht.

Haben die keine Angst vor dem richtenden, strafenden Gott? Warum werde ich den Verdacht nicht los, dass diejenigen, die die Herde führen gar nicht glauben was sie verkünden, die Schäfchen, die Dummen, aber schon...

Celebrity Deathmatch: Thor vs. Jesus



Quelle: atheistnexus.org

Montag, 28. Dezember 2009

Religion in USA verliert an Bedeutung

Wie Telepolis berichtet, geht der Glaube auch in dem sonst stark evangelikal geprägten Amerika zurück. Vielleicht sind die Evangelikalen ja auch selbst der Anlass dazu:

...Vielleicht haben auch Politiker wie George Bush zu viel Schindluder mit der Religion betrieben und sind die stramm rechten, meist evangelikalen Gläubigen mit ihrer Heiligsprechung des freien Kapitalismus, der kriegerischeren Missionierung, der Ablehnung des Sozialstaats, der Missachtung der Wissenschaft (vor allem, was die Klimaerwärmung und die Evolution betrifft) und der altertümlichen Bio-, Geschlechter- und Sexualpolitik betrifft, nun doch einmal an die Grenzen der Glaubwürdigkeit oder des Ertragbaren gestoßen...

Mehr hier...

Sonntag, 27. Dezember 2009

Zitat zum Sonntag

Der Volksmund sagt: Religion ist Opium für das Volk. Das ist irreführend. Opium ist eine bewußtseinserweiternde Droge.

- Volker Pispers

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Woher wir kommen - ein Vorspiel


Du existierst nicht - ein statistischer Beweis

Im folgenden möchte ich kurz beweisen, dass deine Existenz, mein werter Leser, so absurd  unwahrscheinlich ist, dass man sie statistisch ausschließen muss. Dafür möchte ich dich vereinfachend als Summe deiner Gene definieren. Andere Gene sollen hier einer anderen Person entsprechen und diese wärst dann nicht du. Folglich würdest du nicht existieren, wenn dein Vater eine andere Frau als deine Mutter im biblischen Sinne erkannt hätte. Um meinen Sexismus zu tarnen, soll das umgekehrte natürlich auch gelten.

Mischen wir mal die Karten für deine Existenz möglichst günstig und gehen davon aus, dass deine Mutter bloß die Wahl zwischen zwei Fortpflanzungspartnern hatte und sie also mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% deinen Vater gewählt hat. Gleiches soll für deinen Vater gelten, der somit mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% deine Mutter wählte. Damit du nun entstehen konntest, muss erstens dein Vater deine Mutter ausgesucht haben und zweitens deine Mutter deinen Vater. Die Wahrscheinlichkeit Deiner Existenz liegt somit bei 25%.

Aber halt! Dein Großvater mütterlicherseits muss ja auch deine Großmutter mütterlicherseits als Partnerin gewählt haben, damit du entstehen konntest. Das gleiche gilt natürlich auch für deine Großeltern väterlicherseits. Alle sechs Teilnehmer (vier Großeltern und zwei Eltern) müssen also jeweils den richtigen Partner gewählt haben, um deine Existenz zu sichern. Jeder Teilnehmer wählt nun mit 50% Wahrscheinlichkeit den richtigen Partner und die Wahrscheinlichkeit deiner Existenz sinkt auf magere 1,56% (= 0,5^6).

Nun sollte klar sein, wie dieses Spielchen weitergeht. Deine acht Urgroßeltern müssen wiederum die richtigen Partner gewählt haben, ebenso wie deine 16 Ururgroßeltern. Mit zunehmender Zahl an in Betracht gezogener Generation sinkt die Wahrscheinlichkeit deiner Existenz ins Bodenlose. Bezeichnet man mit p die Wahrscheinlichkeit zur richtigen Partnerwahl (hier p=0,5 oder 50%) und mit n die Zahl der betrachteten Generationen, dann existierst du mit einer Wahrscheinlichkeit von

Geht man nun von einer durchschnittlichen Generationslänge von 20 Jahren aus, dann implizieren die im allgemeinen akzeptierten 200.000 Jahre seit der Menschwerdung, 10.000 Generationen an Vorfahren, die schließlich zu dir führten. Die 10.000 Generationen wiederum bedeuten, dass etwa 2*10^3010 (das ist eine 2 mit 3010 Nullen!) Partnerwahlentscheidungen getroffen werden mussten. Jede dieser Partnerwahlentscheidung muss die richtige gewesen sein, was jeweils mit einer Chance von 50% geschah. Insgesamt ergibt sich also, dass du mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 10^9030 (eine 1 mit 9030 Nullen) existierst.

Und willst du wirklich behaupten, dass du diese Chance geschlagen hast? Lächerlich.



Offenbar lief bei diesem Beweis irgendetwas schief und natürlich möchte ich genau darauf hinaus. Der subtile Grund für die Fehlleistung des Beweises liegt in der implizit angenommen Fragestellung. Ausformuliert würde die Frage lauten: „Wie groß ist die Chance, dass gerade eben ich existiere?“ oder knapper formuliert „Warum existiere gerade ich?“

Bei einer solchen Fragestellung denkt man vom Ergebnis her und ordnet diesem eine unverdiente Besonderheit zu. Der scheinbare Widerspruch zwischen der Unwahrscheinlichkeit der eigenen Existenz und der tatsächlichen Existenz löst sich in wohl gefallen auf, wenn man nicht vom Ergebnis sondern von den anfänglichen Möglichkeiten her denkt. Irgendwelche Menschen muss es ja geben und ich bin eben einer davon.

Mit der Zueignung zu diesem Thema habe ich versucht, die Anwendung dieses Gedankenmodells auf das gesamte Universum zu veranschaulichen.