Donnerstag, 17. Juni 2010

Logische Fehlschlüsse (13) - Tautologie

Beschreibung: Ein Argument wird mit sich selbst begründet.

Logische Struktur: Aus A folgt A.

Beispiel: Dank der überragenden Leichtigkeit mit dem sich dieser logischer Fehlschluss auch ohne jegliche Gehirnleistung anwenden lässt, darf er im Repertoire des Fehlschlusswilligen auf keinen Fall fehlen. Die Forderung nach einer Rechtfertigung Gottes für seine Schandtaten (Baum, Flut, Salzsäulen, etc.) lässt sich dafür viel zu einfach mit einem "weil Gott, Gott ist" beiseite schieben.

Die Tautologie kommt auch in einer etwas besser versteckten Variante vor. Hierzu muss der Fehlschlusswillige einfach die Definition eines Wortes als Begründung für den Wahrheitsgehalt eben dieses heranziehen. So funktioniert natürlich die Akupunktur, weil man mit den Nadelstichen die Blockierungen der Energiebahnen löst.

Ravi Zacharias, ein US-kanadische, evangelikaler Top-Apologet, hat das geschickte Verstecken einer dumm-dämlichen Tautologie zur wahren Meisterschaft erhoben. Laut seiner offensichtlich gerne erzählten Anekdote konnte er einen Skeptiker zutiefst mit der folgenden Argumentation erschüttern. Übrigens würde ich empfehlen sich das entsprechende youtube-Video von thunderf00t anzuschauen, weil Zacharias' Argumentation live einfach viel besser wirkt. Prüft, ob Ihr die Tautologie identifizieren könnt. Hier aber die schriftliche Version (auf Englisch, bin zum Übersetzen zu faul)...
“There cannot possibly be a God,” he said, “with all the evil and suffering that exists in the world!”

I asked, “When you say there is such a thing as evil, are you not assuming that there is such a thing as good?”

“Of course,” he retorted.

“But when you assume there is such a thing as good, are you not also assuming that there is such a thing as a moral law on the basis of which to distinguish between good and evil?”

“I suppose so,” came the hesitant and much softer reply.

“If, then, there is a moral law,” I said, “you must also posit a moral law giver. But that is who you are trying to disprove and not prove. If there is no transcendent moral law giver, there is no absolute moral law. If there is no moral law, there really is no good. If there is no good there is no evil. What is your Question?”

Quellen: rzim.org, youtube
Uuund? Hat der geneigte Leser die Tautologie entdeckt?

Kommentare:

  1. "So funktioniert natürlich die Akupunktur, weil man mit den Nadelstichen die Blockierungen der Energiebahnen löst."

    Das versteh ich nicht. Das ist eine windige Begründung, ja. Aber das ist doch keine Tautologie, oder was kapier ich da nicht? Wor wird da die Definition zur Erklärung herangezogen?
    Akupunktur ist doch die chinesische "Kunst" Nadeln in bestimmte, per Tradition überlieferte, Stellen des Körpers zu pieken, um damit positive oder negative Effekte beim Gepiekten hervorzurufen. Man könnte, unabhängig davon ob wir für "Energieflüsse" oder "chis" oder was auch immer medizinische Grundlagen finden könnten, doch trotzdem glauben, dass die positive Wirkung darin besteht, dass die Nadel in den Energiefluss den man trifft, eindringt. Das klingt für mich nach einer, mit der Grundannahme der "Schule" konsistenten Begründung.
    Ich kapier einfach nicht, wo da die Tautologie sein soll.

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  2. Ich gehe davon aus, dass Du die Tautologie erkennen würdest, wenn ich stattdessen "Akupunktur funktioniert, weil man mit Nadeln sticht" erkannt hättest. Es geht also alleine um die Definition des Wortes "Akupunktur". Dieses ist eben - meines Wissens nach - nicht als "picksen mit guten Ausgang" definiert, sondern explizit als "Manipulation von Lebensenergiebahnen mit Nadeln".

    Eine andere Tautologie wäre: Die ET ist wahr, weil natürliche Selektion auf genetische Variation wirkt. Keine Tautologie wäre: Die ET ist definiert als natürliche Selektion auf genetische Variation.

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  3. “If, then, there is a moral law,” I said, “you must also posit a moral law giver. But that is who you are trying to disprove and not prove."
    wer hat denn hier von gott als dem "moral giver" geredet? wohl nur der pfarrer, der mal wieder nur davon ausgeht, dass er recht hat mit dem was er sagt, ohne dabei dem gegenüber zugestehen, dass es ganz andere definitionen hat. eben typisch weltfremde arroganz, die jedwede glaubwürdigkeit entkräftet. jeder andere hätte wohl die moral von humanistischen prinzipen abgeleitet.

    "If there is no transcendent moral law giver, there is no absolute moral law. If there is no moral law, there really is no good."
    moment jetzt - es gibt also "absolute moral law" - absolutes moralisches gesetz. aber gutes gibt es schon nicht, wenn es überhaupt kein moralisches gesetz gibt. und warum ist das jetzt ein beweis für die absolutheit moraischen gesetzes, da es sonst ja garkein gutes geben könne?

    " If there is no good there is no evil. What is your Question?”
    dass gott nicht absolut sein kann? hat er das auch schon wieder in seiner argumentationskette vergessen?

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  4. @Dennis

    "dass gott nicht absolut sein kann? hat er das auch schon wieder in seiner argumentationskette vergessen?"

    Ja. Das kommt der Lösung meiner Such-die-Tautologie Aufgabe schon ziemlich nahe.

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  5. ok, das dürfte die tautologie sein: "you must also posit a moral law giver. But that is who you are trying to disprove and not prove."
    genau das hat der fragesteller nämlich nie behauptet. er hat nur behauptet, dass gott es wohl kaum sein kann, der müsste der bibel nach nämlich "gut" sein.

    "If there is no good there is no evil. " 2 möglichkeiten:
    a) there ist evil, although there is good -> gott kann nicht allmächtig sein.
    b) there is evil, because there is good,
    oder:
    there is good because there is evil. -> gott hat all das leid geschaffen, und zwar bewusst. (schliesslich ist er ja allwissend) -> gott kann nicht gut sein.
    (oder ist gott wirklich so dumm, dass er adam und eva geschaffen hat, ohne zu wissen, dass sie vom apfel essen werden? oder ohne zu wissen, was die schlange tun wird?)

    erklärungsmöglichkeit:
    ja, ok - ohne böses gäbe es kein leben. und leben ist schliesslich gut.
    warum es ohne böses kein leben gibt, muss gott erstmal erklären. das steht nämlich nirgends in der bibel.

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  6. @Dennis

    Ich gebe gerne zu das mit der vorgestellten Argumentation so einiges nicht stimmt. Worauf ich allerdings hinaus wollte, wird wohl etwas klarer, wenn ich die Fragestellung des Skeptikers ein wenig umformuliere:

    "Wenn es einen Gott gibt, wieso gibt es dann das Böse?"

    Die Antwort Zacharias:

    "Wenn es das Böse gibt, dann gibt es einen Gott."

    Das wäre dann erstmal ein Zirkelschluss. Aber der Begriff des Bösen ergibt ja nur dann einen Sinn - wie Zacharias selbst zugibt - wenn es einen Gott gibt. D.h. also, dass die gesamte Ableitung unter der Prämisse, dass es einen Gott gibt, läuft. Und Zacharias Argument wird deswegen tautologisch: Wenn es einen Gott gibt, dann gibt es einen Gott.

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