Samstag, 10. Oktober 2009

Glaubst Du an Norwegen?

Sieht man einmal von den Stunden qualvoller, weil langweiliger und inhaltsloser Religionsindoktrination in der Schule ab, so kann ich eigentlich nur von einem negativen, persönlichen Erlebnis mit der Religion berichtet.

Es begab sich cirica 1990, dass ich einer christlichen Sommerfreizeit in Norwegen beiwohnte. Natürlich konnte die priesterliche Leitung nicht darauf verzichten, uns einmal am Tag für eine Stunde mit den bekannten Absurditäten zu belästigen. Während einer dieser Bibelstunden genannten Einheiten, fragte der Pfarrer uns Atheisten, warum wir denn nicht an Gott glauben. Einer antwortete, dass er Gott eben noch nie gesehen hat - klingt wirklich nicht sehr überzeugend, aber man muss bemerken, dass wir so etwa 12 oder 13 Jahre jung waren. Der Pfarrer - selbstverständlich wesentlich älter - konterte mit: "Warst Du vorher schon einmal in Norwegen? Wieso hast Du dann an Norwegen geglaubt, bevor Du hier warst?"

Ich wusste zwar, dass mit dieser Frage irgendetwas falsch war, aber in meinem damaligen Alter hatte ich einfach noch nicht die intellektuelle Ausrüstung, um den Fehler in der priesterlichen Diskussion zu identifizieren. Rückblickend kann ich vermuten, dass der Pfarrer ganz genau wusste, was mit seiner Argumentation eigentlich falsch ist, er aber drauf wetten konnten, dass wir Jugendlichen nicht drauf kommen würden.

Die intellektuelle Unreife ausnutzen, um zu indoktrinieren. Herzlichen Glückwunsch zu dieser christlichsten aller Argumentationen!

Heute weiß ich, dass der Glaube an die Existenz Norwegens und Gottes eben nicht in die gleiche Kategorie fallen. Der wichtigste der vielen Unterschiede ist der, dass man bezüglich Norwegen eine exakte Anleitung geben kann, um sich selbst von dessen Existenz zu überzeugen. Man kaufe sich ein Ticket, steige in ein Flugzeug und schaue nach.

Für Gott gibt es eben keine solche Anleitung - und, nein meine liebe Gläubigen, "Du musst Gott aufrichtig anrufen" oder "Du musst in Deinem Herzen suchen" beschreiben nicht in mindestens, was man wirklich tun soll. Deswegen sind diese "Anleitungen" noch weniger hilfreich als ein in japanisch geschriebenes Handbuch für einen DVD Player für einen Maya aus dem 8. Jahrhundert wäre.

Kommentare:

  1. "Für Gott gibt es eben keine solche Anleitung - und, nein meine liebe Gläubigen, "Du musst Gott aufrichtig anrufen" oder "Du musst in Deinem Herzen suchen" beschreiben nicht in mindestens, was man wirklich tun soll. Deswegen sind diese "Anleitungen" noch weniger hilfreich als ein in japanisch geschriebenes Handbuch für einen DVD Player für einen Maya aus dem 8. Jahrhundert wäre."

    Wenns funktioniert, wieso nicht? Ein Japaner käme mit der Anleitung klar, für ihn ist sie auch gemacht.
    Beten und "anrufen" kann jeder. Gibt nicht für alles eine Karte. Der Unterschied zu einem komplexen aber auf gemeralisierter menschlicher Beobachtung fundierten System ist, dass letzteres von Menschen erdacht, ersteres die Realität wiederspiegelt (sofern wir sie als das definieren, was existiert).

    (Wir können jetzt auch wieder über psychologische Erkenntnisse und Beobachtungen zu Prägungen oder Selbsterfüllende Prophezeiungen diskutieren und dann wieder zur Erkenntnistheorie kommen aber das ist müsig bzw. schon geschehen)

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  2. Für einen Nichtgläubigen sind die erwähnten Anleitungen vollkommen inhaltslos und bedeutungsleer. Es sollen doch aber Anleitungen für Nichtgläubige sein, oder?

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  3. nö, die sind für alle da...

    der Unterschied zu den Nichtgläubigen ist lediglich der, dass die Gläubigen überzeugt wurden, dass es funktioniert...

    Kannst es ja auch versuchen...

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  4. tja. würde ich sogar machen. wenn ich denn wüsste, was ich da machen sollte. und genau das ist ja mein problem mit dieser anleitung.

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  5. beten. weiterleben. Gott macht den Rest.

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  6. und das problem beim beten ist halt, dass ich es nicht von einem selbstgespräch unterscheiden kann. ausserdem ergibt beten ja nur dann einen sinn, wenn man bereits an einen gott glaubt. ohne diesen glauben ist beten sinnlos und das ist exakt die aussage, die ich mit dem beitrag rüberbringen wollte.

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  7. na ja... was ist daran so schwer mal ein Selbstgespräch zu führen? Wenns zielgerichtet ist, who cares... ("an den, an den ich nicht glaube, dessen Existenz ich stark anzweifle, bzw. dessen Nichtexistenz ich mir sicher bin, k.a., such Dir was aus")

    Wär mal was Neues und so unwissenschaftlich auch nicht. Nur weil man Methoden für lächerlich erachtet muss man sie ja nicht gleich verwerfen. Ich meine, ich würde jetzt nicht von der Klippe springen oder einen 100 Euro schein in Salzsäure auflösen um etwas herauszufinden (was weniger als 100 Euro bzw. mein Leben wert wäre), aber so ein Selbstgespräch kratzt maximal am Ego bzw. man kommt sich für 10 Sekunden etwas lächerlich vor. Tritt man halt einmal weniger in einen Hundehaufen...

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  8. Erstens. Das von Dir beschriebene hab ich bereits gemacht (ehrlich!) - ohne Ergebnis. Und ich hoffe genauso ehrlich, dass Du jetzt nicht mit der Aufrichtigkeit argumentieren wirst.

    Zweitens. Selbst wenn ich nun das Gefuehl haette, dass da jemand ist, der anworten wuerde... Wie koennte ich denn zwischen einer eingebildeten Antwort und einer echten Antwort unterscheiden?

    Drittens. Selbstgespraeche fuehre ich die ganze Zeit - wie jeder Mensch. Ich koennte Dir sogar darlegen, warum das extrem wichtig ist, wie sich diese Faehigkeit evolutionaer entwickelt hat und was der Glaube damit zu tun hat. Aber das mach ich ein andermal in einem Beitrag...

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  9. Ich hatte nicht vor, Deine Aufrichtigkeit anzuzweifeln... Hatte mir sowas bereits gedacht.

    Was übrig bleibt, ist warten.

    Was das Unterscheiden zwischen eingebildeter und echter Antwort betrifft: Das Problem hat die Naturwissenschaft, wenn auch etwas abgewandelt auch. Hatte ich an Anderer Stelle ja schon mehrfach angeführt.

    Momentan kommst Du zu dem Schluss, dass das alles Humbug ist, schlimmer noch: Fehlinterpretation psychologischer Vorgänge, Grundanlagen die sich nach langer evolutionärer Bewährung austoben und zu gesellschaftlich bedenklichen Bedrohungen führen.

    Davon abgesehen: Ich finde es nach wie vor Interessant, wie Du Dir auf der einen Seite so sicher sein kannst, auf der anderen Seite, zu Recht (zumindest was Deine kritische Methode betrifft), Lücken zulässt.

    In diesem Sinne: Was übrig bleibt ist warten. Und währenddessen weiterdiskutieren und beten (von meiner Seite aus, Dir scheint der Spaß/Sinngehalt daran ja inzwischen vergangen zu sein)

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  10. "Was übrig bleibt, ist warten."

    Sehr hilfreich. Wobei mir gerade einfällt... lach. Gott darf mir doch gar nicht antworten, oder? Freier Wille und so.

    "Was das Unterscheiden zwischen eingebildeter und echter Antwort betrifft: Das Problem hat die Naturwissenschaft, wenn auch etwas abgewandelt auch. Hatte ich an Anderer Stelle ja schon mehrfach angeführt."

    Stimmt. Du hast das angeführt, aber nicht begründet und da wir, dieses an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert hatten, begnüge ich mich hier mit dem Hinweis auf die Falsifizierbarkeit.

    "Ich finde es nach wie vor Interessant, wie Du Dir auf der einen Seite so sicher sein kannst, auf der anderen Seite, zu Recht (zumindest was Deine kritische Methode betrifft), Lücken zulässt."

    Muss ich wissen, ob die Riemannsche Vermutung zutrifft oder nicht, um entscheiden zu können ob 13 eine Primzahl ist?

    Und wie immer ist Deine Argumentation auf jeglichen Gott und jeglicher Glaubensvorstellung anwendbar...

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