Mittwoch, 17. Februar 2010

Ein kleiner Schritt

Ein fiktives Zitat:
„Einer bleibt von aller Kritik ausgeschlossen, das ist Gott. Das kommt daher, dass jeder fühlt und weiß: Er hat immer recht und er wird immer recht haben. In der kritiklosen Treue, in der Hingabe an Gott, die nach dem Warum im Einzelfalle nicht fragt, in der stillschweigenden Ausführung seiner Gebote liegt unser aller Glaube verankert.“
Das klingt doch sehr nach einer typischen Rede eines Fundametalgläubigen. Der Schritt vom fiktiven zum wirklichen Zitat ist allerdings erstaunlich klein. Dazu braucht man nur die folgenden Ersetzungen durchzuführen
Gott -> Führer
Glaube -> Nationalsozialismus
Gebote-> Befehle
und schon ist man bei einer Rede von Rudolf Heß aus dem Jahre 1934 gelandet. Hatte ich nichtmal geschrieben, dass sowohl die Religion und als auch Diktaturen Formen von Ideologien mit alleinigem und absolutem Wahrheitsanspruch darstellen? Die Auffassung vom Nationalsozialismus als politische Religion erscheint im Lichte dieses Zitat umso gerechtfertigter.


Kommentare:

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Voegelin#Politische_Religionen

    Davon abgesehen die Frage die Du und andere "Religionskritiker" ganz gerne schnell und pauschal beantwortet haben:

    Warum lässt sich ein Mensch ein auf den Glauben an einen Gott/höheres Wesen bzw. warum lässt sich ein Mensch ein auf den Glauben an den biblisch beschriebenen/offenbarten Gott?

    Es ist eine Sache Parallelen zu ziehen, eine andere Kausalzusammenhänge zu pauschalisieren.

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  2. "http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Voegelin#Politische_Religionen"

    Hmm... Bist Du mit mir also einer Meinung?

    "Davon abgesehen die Frage die Du und andere "Religionskritiker" ganz gerne schnell und pauschal beantwortet haben:"

    Gibt es einen Grund dafür, dass Du das Wort Religionskritiker in Anführungszeichen gesetzt hast?

    "Warum lässt sich ein Mensch ein auf den Glauben an einen Gott/höheres Wesen bzw. warum lässt sich ein Mensch ein auf den Glauben an den biblisch beschriebenen/offenbarten Gott?"

    Hyperaktive Intentionsdetektion + Aufprägung während der Mentalisierungsphase (+ weitere kleine psychische Zutaten, wie hyperaktive Musterkennung, entkoppelte Kognition, Sinn für Fairness etc.)

    "Es ist eine Sache Parallelen zu ziehen, eine andere Kausalzusammenhänge zu pauschalisieren."

    .... UUUUuuunnd das hab ich jetzt genau wo getan?

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  3. "Hmm... Bist Du mit mir also einer Meinung?"

    Nein.

    Der Gedanke ist nicht neu, das Muster "Religion", auch im atheistischen/materialistischen Gebrauch nicht unbekannt. Ich glaube von Ron Hubbard, dem Erfinder von Scientology, sagen böse Zungen auch nach, dass er die Erfindung einer Religion als einen der besten Wege erkannt habe um an Geld zu kommen. Will mich aber nicht mit denen anlegen, ist mir zu teuer und ich habe bisher keinen Scientologen in meiner Familie...

    Das Muster Religion/totales System oder wie auch immer man das nennen mag ist nett. Nur: erklärt es auch das Phänomen Jesus? Ich sage "nein und Du pauschalisierst"

    ".... UUUUuuunnd das hab ich jetzt genau wo getan?"

    hier oder schön war auch: http://glaube-ist-heilbar.blogspot.com/2009/12/warum-menschen-glauben.html

    Du hast den Glauben innerhalb einer Religion pauschal als Ergebnis von soziologischen, psychologischen, neurologischen, etc. Prozessen und Phänomen gedeutet, keine Ausnahmeregelung formuliert, alles in einen Topf geschmissen.

    Dieser Vorgang ist bereits eine Deutung und in der von Dir praktizierten Form weiße ich ihn als Pauschalisierung zurück.

    In dem Sinne auch der Religionskritiker in Klammern, da er bei Jesus keine Ausnahme macht. Wir hatten die Diskussion schon einmal früher, warum man zwischen "Evangelium" und "Religion" (im Sinne eines Regelwerkes) differenzieren kann. Das war der einzige Grund. Meinethalten lass die Klammern weg.

    Man kann, oberflächlich betrachtet, alles unter dem Ordner Religion abheften, keine Frage. Aber es kann auch ein Evangelium im Christentum/der Bibel drin stecken. Also eine wahre/frohe Botschaft. (was ich vermute)

    Da Du die Möglichkeit aber bisher konsequent ausgeklammert hast, dass es so etwas wie einen Gott geben könnte, ist es eigentlich (zumindest von meinem Gefühl her) nahezu unmöglich Dich nur annähernd damit konfrontieren zu können dass Du so etwas wie eine Gottesexistenz nur geben könnte. Zu schön und zu einfach ist diese Kategorisierung anstatt das man sie aufgeben könnte.

    Na ja, zugegeben: Das war jetzt etwas provoziert, streng genommen glaube ich nämlich auch gleichzeitig, dass Gott Dich erreichen kann.

    Da ich an Deiner Stelle diesen Satz jedoch als "die übliche" Drohkulisse abtun würde (und diesen dann erst recht, nur intellektueller^^), sieh es als Beitrag der die Konsistenz meines dargestellten Gottesbildes sicherstellen soll: Gott kennt Wege, die wir nicht kennen.

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  4. @Matt

    "Das Muster Religion/totales System oder wie auch immer man das nennen mag ist nett. Nur: erklärt es auch das Phänomen Jesus? Ich sage "nein und Du pauschalisierst""

    Hmm... Vielleicht soll dieses Muster das "Phänomen Jesus" (*hüstel*) auch gar nicht erklären. Schonmal dran gedacht?

    "Du hast den Glauben innerhalb einer Religion pauschal als Ergebnis von soziologischen, psychologischen, neurologischen, etc. Prozessen und Phänomen gedeutet, keine Ausnahmeregelung formuliert, alles in einen Topf geschmissen."

    Der Grund für das Vorhandensein des Glaubens ist nach meinem bisherigen Erkenntnisstand eine Kombination aus hyperaktive Intentionsdetektion und Aufprägung während der Mentalisierungsphase (plus einige weitere Dinge). Bisher kenne ich keinen Fakt, der hier eine Ausnahme erzwingen würde. Erhelle mich!

    "In dem Sinne auch der Religionskritiker in Klammern, da er bei Jesus keine Ausnahme macht."

    Ehrlich? Ernst gemeint? Deiner eigenen Einschätzung nach: Wie glaubst Du, dass ich auf einen solchen Satz reagieren werde? Aber bitte. Fahren wir also fort, wie es sein muss:

    Warum sollte ich den gerade bei Jesus eine Ausnahme machen? Warum nicht bei Mohammed? Oder Schiva? Oder Thor? Oder Buddha? Oder L Ron Hubbard?

    "Man kann, oberflächlich betrachtet, alles unter dem Ordner Religion abheften, keine Frage."

    Die Frage ist ob eine solche Definition von Religion noch sinnvolle wäre. Die in diesem Beitrag benutzte Definition könnte sich zum Beispiel mit "Totalitäre Ideologiesysteme mit absoluten Wahrheitsanspruch und Bestrafung bei Kritik" umrissen werden. Dann würde alles sicherlich nicht in diesen Ordner gehören. Der örtliche Kanickelzüchterverein zB. Allerdings würde Christentum und Nationalsozialismus ganz fantastisch darein passen und exakt darauf (und nicht mehr) möchte ich mit diesem Beitrag hinaus.

    "Da Du die Möglichkeit aber bisher konsequent ausgeklammert hast, dass es so etwas wie einen Gott geben könnte, ist es eigentlich (zumindest von meinem Gefühl her) nahezu unmöglich Dich nur annähernd damit konfrontieren zu können dass Du so etwas wie eine Gottesexistenz nur geben könnte."

    Hmm? Ich arbeite mit der Annahme von Gottes Nichtexistenz in einigen dieser Artikel. Stimmt. Aber im allgemeinen bin ich agnostischer Atheist und kein gnostischer Atheist.

    "Gott kennt Wege, die wir nicht kennen."

    Über die offenkundige Dämlichkeit eines solchen Satzes könnte ich einen ganzen Artikel schreiben - übrigens habe ich diesen Satz und nicht Dich als dämlich bezeichnet. Beachte bitte den Unterschied.

    Woher willst denn das wissen?

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  5. Genialer Artikel!

    Hihi... verquer hat immer Recht und wird immer Recht haben!

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