Montag, 4. Januar 2010

Nur nichts überstürzen

Kaum ging die Nachricht über den mutmaßlichen Mordanschlag des mutmaßlichen radikalen Islamisten auf den unmutprovozierenden dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard über den Internetticker, wurde auch schon eine Verbindung zwischen dem Glauben des mutmaßlichen Attentäters und seiner Motivation zu der mutmaßlichen Tat konstruiert. Selbst Henryk M. Broder - nicht gerade bekannt als intellektuelles Leichtgewicht - fühlte sich an den Fall Salman Rushdie erinnert. Hier möchte ich aber dringend vor voreiligen Schlüssen warnen!

So wird uns doch von den Gläubigen immer wieder versichert, dass Religion bei solchen, also den schlechten Taten keine Rolle spielt oder falsch verstanden wurde. Der/die/das wahre <insert your favorite religion here> kann niemals Ursache für eine solche Tat sein. Und abermilliarden Gläubige werden sich doch nicht etwa irren, oder?

Schauen wir uns also den berichteten Tathergang einmal genauer an.
  • Ok. Der Besuch des mutmaßlichen Täters war wohl unangekündigt. Aber musste Westergaard wirklich sofort in seinen Panikraum flüchten? Der mutmaßliche Täter könnte doch genau so gut nur ein übermotiviert Fan von Westergaards Werken sein.
  • Na fein. Nach dem vollkommen inszinierten Aufstands eines Minderheitenteils unserer islamischen Mitweltbürger musste Westergaard um sein Leben fürchten und stand unter permanentem polizeilichen Schutz. Aber das ist wohl kaum die Schuld des mutmaßlichen Täters.
  • Sicherlich. Der mutmaßliche Täter führte eine Axt und ein Messer bei sich. Aber vielleicht wollte er ja nur Westergaards Bleistifte anspitzen und hat mit besonders großen gerechnet.
  • Gut. Nach dem Westergaard und seine fünfjährige Enkelin sich im zum Panikraum ausgebauten Badezimmer verschanzten, versucht der mutmaßliche Täter in diesen Raum gewaltsam einzudringen. Aber man weiß doch wie Fans manchmal sind...
  • Ja, ja. Dabei schrie der fehlgeleitete Fan "Blut" und "Rache" - allerdings auf dänisch und das sollte doch zu denken geben. Wer kann sich denn tatsächlich im emotionalen Zustand kurz vor einem Mord einer anderen Sprache als seiner Muttersprache bedienen? Vielleicht war "Blut und Rache" ja nur sein Vorschlag für den Titel der nächsten Karikatur?
  • Ach komm, klar. Der mutmaßliche Täter wurde bereits vor der mutmaßlichen Tat vom dänischen Geheimdienst PET verdächtigt Kontakte zur al-Qaida und den Schabab-Milizen zu haben. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass der mutmaßliche Täter diese auch tatsächlich besaß.
Insgesamt sind das doch alles Indizien, die so oder so interpretiert werden können. Glaube und schlechte Taten haben nichts miteinander zu tun!

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