Montag, 7. September 2009

Chromosom 2

Während Menschen mit 23 Chromosomenpaaren auskommen, besitzt unser nächster Verwandter, nämlich der Bonobo oder Zwergschimpanse, 24 Chromosomenpaare. Wenn man davon ausgeht, dass wir mit den Bonobos gemeinsame Vorfahren haben und sich vergegenwärtigt, dass Chromosomenpaare in der evolutionären Entwicklung nicht dazu neigen verloren zu gehen, dann steht man vor einem Rätsel. Wohin ist das fehlende Chromosom verschwunden? Schaut man sich aber die Chromosomen des Menschen im Detail an, so wird nicht nur dieses Rätsel gelöst, sondern man findet auch den überzeugendsten Beleg für die gemeinsame Abstammung von Mensch und Affe.

Um das Ganze zu verstehen, muss man sich ein wenig mit dem Aufbau eines Chromosom beschäftigen. Ein typisches Chromosom ist rechts schematisch abgebildet und besteht aus drei Teilen. Das Centromer liegt in der Mitte des Chromosoms und verbindet die beiden Arme (Chromatiden genannt; nur ein Arm ist abgebildet). Es folgt der Abschnitt, der die Gene kodiert. Begrenzt wird ein Chromosom von den sogenannten Telomeren, die eine bedeutende Rolle im Alterungsprozess spielen.

Das Chromosom 2 des Menschen fällt allerdings aus diesem Schema und sieht so aus:


Offensichtlich sind hier zwei mittelgroße Urchromosomen zum Chromosom 2 verschmolzen. In der Genetik spricht man von einer Kopf-zu-Kopf Fusion. Vergleicht man die beiden Teilabschnitte mit Chromosomen des Bonobos, so findet man, dass die Teilabschnitte fast identisch sind mit zwei verschiedenen Chromosomen des Bonobos. Diese Chromosomen-Fusion gilt als stärkster Beleg für die gemeinsame Abstammung von Mensch und Affe.



Weitere Quellen

"The Collapse of Intelligent Design" von Ken Miller: youtube video (4:23)

Kommentare:

  1. Hmpf, ok... ein zweiter Versuch... sollte mein verschwundener Kommentar von vorhin doch wieder auftauchen: einen von beiden löschen, ja?)
    Ich finde den Artikel über Chromosom 2 interessant. Aber, ich bin in spitzfindiger Laune, auch wenn das Bier und das nächtliche Schinkenbrot nun auf sind.
    Ich bin der Meinung, dass solche genetischen Fakten in die Debatte "Schöpfung vs. Evolution" einzubringen -- ich nehme anhand des Blogthemas an, dass es um das hier geht -- eine zweischneidige Sache ist.
    Klar, wenn man wie wir Wissenschaftler das Prinzip der Parsimonie als Grundpfeiler annimmt, dann ist die derzeit beste Folgerung aus dem oben geposteten, folgendes: alle Hominiden ausser dem Menschen haben die kleinen Chromosomenpaare, ähem, 2a und 2b, nur beim Menschen ist ein großes Chromosom 2, dass zudem den beiden kleinen "Hominidenchromosomen 2a und 2b" sehr ähnelt --> das große Chromosom ist ein autapomorphes Merkmal, dass erworben wurde NACHDEM sich die Linie, die zu Homo sapiens sapiens führte, von den Vorfahren der uns nun sonst noch bekannte Hominiden abspaltete. In unserem "frame of reference" ein gutes Beispiel, wie man mit Kladistik die möglichen Zusammenhänge aufdröseln kann.
    Aber, wenn man nun so fies ist, und das Parsimonieprinzip nicht achtet. Dafür mag es sogar Grunde geben. Manchmal schneidet man vielleicht mit Occams Rasiermesser einfach zu viel weg und verpasst die "Wahrheit", was immer das auch ist. Oder man verfolgt ein Ziel, wie z.B. eine Ideologie kolportieren. Jedenfalls, angenommen wir erkennen alles an ausser Parsimonie. Dann ist es doch ein in sich kohärentes Bild, wenn ich behaupte: aha, der Fall Chromosom 2 zeigt klar wie es war. Der Schöpfer (meinethalben hier: eine ausserirdische Spezies von Super-Xenogenetikern) hat den Menschen geschaffen und designed und dann das Menschengenom genommen, Chromosom 2 in zwei kleine Teile zerbrochen, und so die anderen Hominiden geschaffen. Langes Chromosom - nackig, schlau, Autos. Kurze Chromosomen: haarig, dämlich, Bananenfreaks. Passt doch.
    Was will ich sagen? Die Gefahr ist immer, dass der Diskussionsgegner (in dem Fall: Kreationisten, die schlimmste Brut der Hölle...) einfach nicht die Spielregeln anerkennt, ne? Eben z.B. das Parsimonieprinzip. Und daher nützen die nackten Fakten uns in der Debatte nicht, bzw. werden sogar noch, wie es die gefährlichen "intelligent design" Anhänger tun, dreist gegen uns eingesetzt.

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  2. Ersteinmal muss ich sagen, dass ich bzgl. Wirkung dieses Beitrags oder auch des gesamten Blogs keinerlei Illusionen hege. Kein Hardcore Kreationist wird über das Chromosom 2 lesen, "Heureka" rufen und für immer da die Evolutionstheorie akzeptieren.

    Desweiteren ist natürlich auch klar, dass ich niemals einen allmächtigen Gott werde wegdiskutieren können. Beides ist aber auch gar nicht das Ziel des Blogs. Man kann aber Denkanstöße geben und die Möglichkeit eröffnen in eine Debatte einzutreten.

    Und natürlich argumentatieren Kreationisten unter anderem so wie von Dir angedeutet. Ich hoffe auch, dass ein solcher mal hier auftaucht. Da könnte sich die Besucher dieses Blogs eine eigene Meinung über diese bilden.

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