Mittwoch, 2. September 2009

Lebenswert

In der unüberlegten Gedankenwelt des Gläubigen ergibt das Leben hier auf Erden nur dann einen Sinn, wenn der große Bart am Himmel existiert. Genau deswegen lässt sich der Theist auch zu der Fragen hinreißen, warum denn der Atheist überhaupt noch lebe, weil dieser doch unterstelltermaßen im Leben überhaupt keinen Sinn sehe. Natürlich bemerkt er dabei nicht, dass er seinem Gegenüber gerade den Wert seiner Existenz abgesprochen und ihn deswegen zu tiefst beleigt hat.

Einerseits trennt der Gläubige hier nicht zwischen objektiven und subjektiven Sinn, weil für diesen letzterer  menschengemacht und deswegen beliebig ist. Anderseits übersieht er dabei, dass die Verhältnisse exakt umgekehrt sind. Das ergibt logisch zwingend, wenn man den Wert des diesseitigen Lebens mit dem des jenseitigen vergleicht.

Für den Gläubigen hat das diesseiteige Leben einen endlichen, dass Leben nach dem Tod einen unendlich Wert. Das heißt also, dass das diesseitige Leben im Vergleich zum jenseitigen unendlich wertlos ist.

Für den Atheisten, der nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, hat das diesseitigen Leben ebenfalls einen endlichen, dass Leben nach dem Tod aber gar keinen Wert. Im Verhältnis ist das diesseitige Leben für diesen also unendlich viel wertvollter als das jenseitige.

Die Frage, warum man noch keinen Selbstmord begangen hat, sollte also nicht an den Atheisten sondern an den Theisten gerichtet sein. Oh, wie bitte? Selbstmord ist Sünde? Nein, wie praktisch. Übrigens gibt es klinische Pilotstudien, die neue Medikamente an willigen Probanden testen. Das Resultat ist ja nicht sicher und der Menschheit einen Dienst leisten zu wollen, ist doch kein Selbstmord. Oder?

Kommentare:

  1. Interessante Frage...
    Ich und auch einige Bekannte von mir (auch Christen) haben sich die Frage durchaus gestellt.

    Meine eigene Antwort darauf ist, das ich a) noch recht viel Spaß hier unten haben kann, es auf die paar Jahre eh nicht ankommt und b) ich als Christ auch einen Auftrag habe hier auf der Erde: Missionieren, Gott zur Freude dienen (das kam am Anfang schon bei der Schöpfung dran als Argument), schlichtweg leben weil leben an sich auch einen Sinn hat...

    Aber Du hast Recht: Es ist eine Frage, der man sich stellen sollte als Mensch, der an was "nach dem Tod" glaubt.

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  2. aha. Was ist eigentlich der Sinn des Lebens (vor und nach dem Tod) nach christlichen Verständnis?

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  3. Gute Frage.

    Letzten Endes nah an/bei/wie Gott zu sein. So habe ich das zumindest bisher verstanden.

    Was sich davon ableiten lässt, steht im Zusammenhang der Bibel.

    Da jeder unterschiedliche Gaben/Fähigkeiten hat, sehen die unterschiedlichen Lebensaufgaben auch unterschiedlich aus.

    Das kann bedeuten: Gut und ehrlich arbeiten, dankbar sein für das Erreichte und Empfangene/Gewährte, Mission auf die individuelle Art und Weise, Lobpreis/Anbetung (sei es jetzt direkt durch Gesang oder sonstiges Kreatives aber auch durch das Ausleben seiner Gaben/Fähigkeiten in Zwecken, die zur Ehre Gottes geschehen) oder Dienst am Nächsten (Nächstenliebe, Predigtdienst aber auch sowas wie konstruktive Kritik).

    Persönliche Vervollkommnung gehört ebenso als wichtiges Element wohl dazu.

    War jetzt so halb aus dem Stehgreif heraus aufgezählt. vlt. hab ich auch was vergessen bzw. nicht so deutlich ausgedrückt.

    Kurz halt: Ich versuche ein guter Mensch zu sein und mein Leben produktiv und ehrlich zu leben.

    Dass das nicht immer perfekt gelingt, will ich aber gleich noch dazu sagen. Da kann man dann wohl auch Kritik ansetzen: Überforderung durch ein zu vollkommenes Erwartungsbild und lebenslange Bindung an ein gnädiges Gottesbild dadurch. Aber k.a. ob sich das auch als Strohmannargument ausschlachten lässt, ist mir jedoch oft begegnet als Kritik.

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  4. "Letzten Endes nah an/bei/wie Gott zu sein. So habe ich das zumindest bisher verstanden."

    Soll das heissen, dass Du es nicht genau weißt? Soll die Religion nicht Antworten auf die großen Fragen liefern?

    Der Rest Deines Kommentars bezieht sich wohl auf das diesseitige Leben. Wie sieht eigentlich der Sinn im jenseitigen Leben aus?

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  5. "Soll die Religion nicht Antworten auf die großen Fragen liefern?"

    vlt. ist sowas schwer vorstellbar als Materialist, der auf (fast alles) Antworten haben will und dann notfalls halbperfekte Systeme akzeptiert und nicht wahrhaben will, dass der menschliche Verstand begrenzt sein könnte.

    "Wie sieht eigentlich der Sinn im jenseitigen Leben aus?"

    Ich bin mal guter Dinge und hoffe das Beste. Im Zweifelsfall: Nah bei Gott sein und sowas wie Glückseeligkeit. Wenn auch nicht im aristotelischen oder sonstig irdischen Sinn. Ich stells mir toll vor und bin mal gespannt.

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  6. lach. Die Religion hat also gar nicht den Anspruch die Fragen auf die großen Antworten zu liefern?

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  7. Der Gläubige sagt: "ich weiss es auch nicht genau, aber es muss irgendwie so sein und Gott schaut dann schon". :-)
    Lustig finde ich diesen Satz von Matt: "vlt. ist sowas schwer vorstellbar als Materialist, der auf (fast alles) Antworten haben will und dann notfalls halbperfekte Systeme akzeptiert und nicht wahrhaben will, dass der menschliche Verstand begrenzt sein könnte."
    Halbperfekt, wenn ich das schon lese! Wer klammert sich denn an irgendwelche Annahmen? Ich kann als Atheist gut zugeben, dass ich etwas nun mal nicht weiss. Jedenfalls ist das besser, als sich irgendwelche Märchen von Gott im Himmel auszudenken.

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  8. Na ja, was die Erkenntnistheorie betrifft, ist der christliche Glaube vollständig: Es gibt eine Sphäre des Wissens das Menschen zugänglich ist und Dinge, die den menschlichen Geist/Verstand übersteigen.

    Das klingt naiv, weil es auch missbrauchbar ist.

    Die Alternative wäre jedoch, basierend auf seinem Halbwissen, auch wenn man sich nie ganz objektiv seiner Erkenntnisfähigkeit sicher sein kann, ein System zu schaffen, das alles erklären kann.

    Ich will hier nicht Wissenschaft verdammen, ich will nur auf die Überheblichkeit mancher ihrer Vertreter hinweisen. Die Diskussion darüber läuft auch an anderer Stelle (siehe "Diskussion") allerdings ein bischen im Kreis, wie mir scheint.

    Denkt Ihr, mich bohrt es nicht, dass ich auf einmal mit irgendwelchen Fossilien konfrontiert werde? Dass ich das alles blind ignoriere, weil eventuelle Schlussfolgerungen mit meinem Glauben nicht kompatibel wären?

    Schöne Aufklärung...

    Solange es allerdings Wissenschaftler oder Denker gibt, die auch andere Thesen vertreten, schaue ich mir auch die an.

    Da bringt es allerdings herzlich wenig, wenn man mit dem Pauschalargument: "Religiös verblendet" alle Fragen vom Tisch feudelt...

    Eher stellt sich die Frage, warum dies überhaupt nötig ist...

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