Samstag, 15. August 2009

Existenz Gottes nachweisbar?

Die Diskussion über die Existenz Gottes (oder auch Götter allgemein) läuft letztlich immer auf das Problem der Beweisbarkeit oder zumindest der Nachweisbarkeit hinaus. Sehr häufig zieht man fälschlicherweise den Schluss, eine Existenz von Göttern bleibe schlicht nicht nachweisbar, ebenso deren Nichtexistenz. Dies ist ein Trugschluss, zumindest für die meisten und am weitesten verbreiteten Gottesbilder. Sofern nur von einem Gott im pantheistischen Sinne die Rede ist, mag die Feststellung zutreffen, denn dieser Gott ist zwar Ursprung von allem, greift aber nicht ins Weltengeschehen ein.

Ganz anders sieht es da mit dem christlichen, jüdischen oder islamischen Gottesbild aus. Hier wird von Gebetserhörungen, Wundern, Heilungen, Zeichen, Gotteserfahrungen, Erscheinungen etc. gesprochen. Dies alles sind Behauptungen über Vorgänge die sich sehr wohl naturwissenschaftlich untersuchen lassen. Also wäre eine Beweisbarkeit zumindest dieser Aussagen möglich. Tatsächlich konnte bis heute kein seriöser Beleg dazu erbracht werden, es wäre schlicht eine Sensation, die sich weltweit herumgesprochen hätte.

Vieles was für Gläubige als Beleg für die Existenz Gottes gilt entpuppt sich bei genauer Überprüfung als (unbewusste) Selbsttäuschung, selektive Wahrnehmung, bewusster Betrug, logisch völlig falsch oder absolut belanglos.

Gebetserhörung z.B. ist ein Themengebiet was sich äußerst einfach untersuchen lässt. In einem Doppelblindversuch wurde z.B. die Wirkung von Heilsgebeten untersucht, mit der ernüchternden Erkenntnis, dass keinerlei positive Auswirkungen festgestellt wurden, ja sogar Patienten durch die besondere Erwartungshaltung und dem damit verbundenen psychischen Stress langsamer genesen sind. Natürlich argumentieren Gläubige dann, Gott liesse sich nicht vorführen. Solch eine Argumentation führt dann zu dem Umkehrschluss, dass wir durch genaue Beobachtung das Wirken dieses Gottes, so es denn vorhanden sei, völlig unterbinden könnten. Ein interessanter Gedanke, klingt ein wenig nach der Heissenberg'schen Unschärferelation und ist in diesem Zusammenhang natürlich völlig absurd.

Ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Punkten. Fakt ist und bleibt, sobald eine Gottheit nach der zugrundeliegenden Lehre mit der Realität interagiert betritt sie das Forschungsgebiet der Naturwissenschaft, denn diese beschreibt die erfahrbare Realität. Es ist also unsinnig zu behaupten, es gäbe diesen interagierenden Gott irgendwie außerhalb des Rationalen. Deswegen ist es legitim und richtig die Frage nach Gott naturwissenschaftlich anzugehen, mit allen Konsequenzen.

Der "worst case" für einen Theisten wäre aber, und das klingt nun im ersten Moment vielleicht paradox, wenn die Existenz Gottes durch die Naturwissenschaft nachgewiesen würde. In diesem Fall würde Gott plötzlich zu einem untersuchbaren Gegenstand, einer natürlichen Erscheinung, keinem metaphysischen Wesen mehr. Damit ist klar, dass Gott immer nur ein Märchen bleiben kann.

Kommentare:

  1. Interessant, das Atheisten mir meinen Glauben erklären...

    ich glaube nicht weil in einem Doppelblindversuch was funktionert (oder eben nicht). Das auch viel Suggestion dabei ist... seis drum. Ich glaube, weil ich die Möglichkeit nicht ausschließe und momentan ganz gut damit fahre. Sei es, das ich autosuggestiv leben als meine Lebensform erkoren habe oder eben weils in manchen Fällen dann doch funktioniert: Nicht immer ist eine Gebetserhörung angebracht, sondern das mein Leben gelingt.

    Angesichts der Sahelhzone (und anderer Regionen) sicherlich ein wahrlich wohlstandsgesellschaftlich geprägtes Modell.

    Auf den ersten Blick.

    Ich habe Gegebenheiten und in denen lebe ich. Grausam aber weltlich.

    Gott nimmt uns nicht jegliche Verantwortung aber er sorgt dafür, das wir in diesen Gegebenheiten leben können, mit Plan und Ziel und manchmal auch Bewahrung.

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  2. schoen. jetzt wissen wir, warum du glaubst. du kannst die existenz eines gottes nicht ausschliessen und bist christ, weil es dir was bringt. wenn dich das ueberzeugt, bitte. aber solangsam haben wir es kapiert.

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  3. Was ist? Auf dieses Niveau abgefallen? :P

    "Ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Punkten. Fakt ist und bleibt, sobald eine Gottheit nach der zugrundeliegenden Lehre mit der Realität interagiert betritt sie das Forschungsgebiet der Naturwissenschaft, denn diese beschreibt die erfahrbare Realität. Es ist also unsinnig zu behaupten, es gäbe diesen interagierenden Gott irgendwie außerhalb des Rationalen. Deswegen ist es legitim und richtig die Frage nach Gott naturwissenschaftlich anzugehen, mit allen Konsequenzen."

    Die Basis der Naturwissenschaften ist Wissenschaftstheorie. Man kann die Fragestellungen und Problemfelder die beginnend z.B. Descartes aufgeworfen hat ignorieren (aber laut eigener Aussage tut man das ja gerade nicht) oder man kann beide Seiten der Medaile anschauen. Anders gesprochen: Naturwissenschaft ist ein sekundäres Produkt und keine primäre Erkenntnisgröße, rein erkenntnistheoretisch gesehen.

    Aber auch sonst: Allein die Methode Doppelblindversuch ist mit der zu testenden christlichen Botschaft insofern nicht kompatibel, das sie in das Problemfeld fällt Gott herauszufordern/zu versuchen. Warum soll ausgerechnet Gott in dem Versuch in dem es weniger um Gebetserhörung denn um einen Versuchsaufbau geht irgendeine Handlung vollziehen? Ich meine, es wäre viel einfacher oder eindeutiger (und obendrein weniger Showmäßig) gewesen, gleich irgendein eindeutigeres Zeichen für Gottes Existenz zu fordern, darum ging es ja in dem Versuch letzten Endes. Sowas machen schon Schulkinder in der Schule (ich zumindest)...

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  4. "...das sie in das Problemfeld fällt Gott herauszufordern/zu versuchen."

    muss heißen:

    da sie in das Problemfeld fällt Gott herauszufordern/zu versuchen fällt.

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  5. gott greift also nicht ein, wenn wir testen, ob gott eingreift?

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  6. Hallo Matt,

    es ist amüsant, dass Du der Wissenschaft eine Erkenntnis über die reale Welt absprichst. Wenn nicht sie, wer sonst kann primäre Erkenntnis bringen?

    Die Grundlagen Deiner Religion? Nun die mitnichten, denn sie ist eine unter vielen, welche sogar in sich selbst die unterschiedlichsten "Erkenntnisse" zu haben scheint.

    Das Wirken Deines Gottes scheint, nach Deinen eigenen Aussagen mit der Beobachtung selbiger zu verschwinden. Sehen wir uns also rückwirkend angebliche Gebetserhörungen an, so verschwindet Gott auch aus diesen scheinbaren Belegen. Mir dünkt, dies ist nur ein verzweifelter Schachzug, den eigenen Wunschtraum am Leben zu erhalten, ähnlich wie in allen esoterischen Bereichen.

    Ganz nach Feuerbach, scheint mit Gott aus dem Wunschgedanken des Menschen zu entspringen...

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  7. "es ist amüsant, dass Du der Wissenschaft eine Erkenntnis über die reale Welt absprichst. Wenn nicht sie, wer sonst kann primäre Erkenntnis bringen?
    (...)
    Ganz nach Feuerbach, scheint mit Gott aus dem Wunschgedanken des Menschen zu entspringen..."

    irgendwie sehe ich auch hier einen Zusammenhang...

    ---------------------------------------------


    Wie beweist Wissenschaft ihre Plausibilität? Erkenntnistheorie?

    Ich finde die Wissenschaft praktisch, keine Frage, sie hilft uns im und mit dem Leben klar zu kommen. Das Problem ist die Frage, wo das anfängt oder aufhört.


    Wozu sollte ein Gott sich motiviert fühlen bei einem Test mitzuspielen? Wie ich schon sagte: man könnte das ganze viel einfacher handhaben aber ein Massenversuch möglichst "realitätsnah" ist natürlich viel abgefahrener...

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  8. gott greift also niemals ein, wenn wir das testen?

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  9. ich weiß es nicht. Habe schon von solchen und solche Fälle gehört.

    Ich denke, wenn er es für sinnvoll hält wird er es tun.

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  10. und bei tests wird es niemals sinnvoll finden?

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  11. @Matt

    Gott lässt sich nicht testen.

    Solche Diskussionen erinnern mich immer wieder an den berühmten Drachen in der Garage.

    Im Buch, Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft Unsinn zu entlarven, (Carl Sagan), kommt die Geschichte vor, dass ein Drache in der Garage hausen soll, der sich aber jeder Verifizierbarkeit und Falsifizierbarkeit entzieht. Egal welchen physikalisch Test angewendet werden soll, es kommt immer eine Erklärung zurück, warum der Test versagen würde.

    Sagan fragt sich, was unterscheidet nun einen unsichtbaren, körperlosen, schwebenden Drachen, der wärmeloses Feuer speit, von einem Drachen, der überhaupt nicht existiert?

    Und er kommt zum Schluss: “Behauptungen, die nicht überprüft werden können, die immun gegen sind Widerlegung, sind in Wahrheit wertlos, welchen subjektiven Wert sie immer haben mögen. Was ich von Ihnen verlange, läuft daraus hinaus, dass sie mir mangels Beweis aufs Wort glauben müssen.

    Es gibt nur eines, was Sie mir meiner Behauptung, ein Drache wäre in meiner Garage, wirklich entnehmen können - nämlich dass irgend etwas Merkwürdiges in meinem Kopf vor sich geht.

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  12. momentan diskutieren wir hier über ein paar Fälle in denen er sich nicht gezeigt hat obwohl man ihnen jetzt exakt seine Existenz/NIchtexistenz fest machen wollte bzw. darüber entscheiden wollte.

    Ihr macht eine Verallgemeinerung draus bzw. redet vom Drachen.

    Wie bereits gesagt: Manchmal zeigt er sich eindeutig, manchmal nicht auf die Bitte/den eindeutigen Test seiner Existenz.

    Ist aber Haarspalterei, wenn ihr nur die rein konstruierten Beweise und Tests wollt und nichts anderes gelten lassen wollt: Seis drum, kann ich Euch nicht helfen und dabei bleiben: Manchmal zeigt sich Gott auf recht kreative Weise.

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  13. kannst du denn zwischen den situationen gott greift ein und gott greift nicht ein unterscheiden? wenn ja, wie?

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  14. Ich merke, mein Leben gelingt, nimmt Wendungen und gelingt trotzdem. Zum richtigen Zeitpunkt das richtige passiert. Ich sehe einen roten Faden und bin im Nachhinein nicht über die ganzen Umwege und Unglücksfälle unglücklich sondern kann sogar dankbar darüber sein, da sie mir was gebracht haben. Jetzt nicht in dem Sinne "danke für die Erfahrung" sondern auch teilweise weil es gerade dieser Umweg sein müsste.

    Gegenkritik kann jetzt natürlich sein: Das ist alles Suggestion oder "wenn man was sehen will, sieht man es auch".

    Ich denke aber, es muss schon ziemlich viel Zufall dabei gewesen sein.

    Andere erleben das anders bzw. unterscheiden das anders.

    Das ich mal auf nem Atheistenblog was über meinen Glauben loswerde... hm... interessant... (seh ich jetzt im übrigen nicht zwangsläufig als Beweis, sondern eher in diesem Kontext^^)

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  15. Nein, die Frage kam doch schonmal^^

    Gott reagiert immer.

    Wir können das jetzt beliebig oft durchdeklinieren aber es bringt nur theoretisches Hin und Her...

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  16. @Matt

    "Gott reagiert immer."

    Wers glaubt. :)

    Für Gott gibt es immer noch keine Beweise, aber den ganzen Tag von Gott quatschen, als ob es ihn geben würde.

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  17. @ matt. "Gott reagiert immer." dachte das gott bei test mal reagiert und mal nicht.

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  18. er reagiert aber er greift nicht in den Testablauf ein. Das hattest Du gefragt.

    Da ich davon ausgehe das er existiert und auch die Tests wahrnimmt, denke ich das er sich was dabei denkt, wenn er nicht eingreift.

    Wahrscheinlich ist er traurig darüber, dass die Menschen ihn auf diesem Wege kennenlernen wollen.

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  19. @Matt

    "er reagiert aber er greift nicht in den Testablauf ein."

    Wenn er nicht in den Test eingreift, hat er auch nicht reagiert!

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  20. "er reagiert aber er greift nicht in den Testablauf ein". lach

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